Saturn und Uranus im Quadrat oder warum es sinnvoll ist, einfach das Beste aus allem zu machen…

Kennen Sie dieses Gefühl in einem Film zu sein? Sie sind nicht der Hauptdarsteller, sondern irgendein Nebendarsteller und alles läuft an ihnen vorbei mit der perfekten Film Musik. Das Leben verlangsamt sich und man beobachtet die Welt aus einer Art Vogelperspektive, mit leiser Wehmut darüber, warum man nicht häufiger diese Art Einblicke in sein eigenes Leben hat.

Irgendwie so fühlte ich mich gestern Abend, als ich auf dem Fensterbrett meiner Frauenarztpraxis saß, um durch die blöde chirurgische Maske auch nur einen Hauch Luft zu bekommen und dabei vier Gänsen beim Landen auf dem wunderschönen Kanal vor dem Fenster zuguckte. Völlig erstaunt stellte ich fest, dass sie den Isarnixen (Synchronschwimmerinnen aus München) glichen, die ich früher so bewundert hatte, weil jede ihrer Bewegungen auf die Sekunde und den Zentimeter genau abgestimmt schien und selbst bei der Landung im Wasser keiner auch nur einen einzigen stilistischen Fehler machte. Auf den Geschmack gekommen beobachtete ich begeistert eine kleine Ente, die mir beeindruckend klarmachte, dass das Paddeln ihrer winzigen Füsse dafür sorgte, dass sich der Isekanal hinter ihr in einem beinahe 20 Meter langen Pfeil nach aussen teilte.

Wunderschön.

Und ja ich bin noch ganz bei Sinnen. Es ist nur so, dass dieses seltsame Leben, das wir alle seit nun mehr einem Jahr führen manchmal dazu führt, dass man die Dinge intensiver wahrnimmt, als sonst. Nicht so selbstverständlich und vor allem nicht so schnell.

Verstärkend kam noch hinzu, dass ich jede Form der Krebsvorsorge HASSE. Ich beneide Männer, die im Prinzip nie zu so etwas gehen. Frauen wachsen damit auf, sich um ihren Körper zu kümmern. Ob sie wollen oder nicht. Männer gehen erst, wenn irgendein akuter Schmerz so schmerzt, dass man nicht mehr weggucken kann.

Naja, wie auch immer, auf jeden Fall sass ich und sass ich, weil man bei diesen Abendterminen alle Zuspätgekommenen des gesamten Tages ausbaden muss und mir ging vieles durch den Kopf: Hoffentlich bin ich gesund war natürlich an 1. Dann ging es weiter mit, wie lange geht das hier eigentlich noch, warum rudert selbst eine so zähe Frau wie Frau Merkel auf einmal zurück, schade dass wir (also eigentlich meine Tochter) nun doch am Donnerstag (den für kurze Zeit zum Ruhetag erklärten) die Mathearbeit schreiben müssen, von der wir wenig bis nichts verstanden haben. Werden wir alle jemals wieder ohne schlechtes Gewissen in den Urlaub fahren, wann umarme ich Menschen wieder ohne Angst, werden sie all diese Desinfektionsspender abbauen, wenn es vorbei ist oder machen wir sie zu Gedenk-inseln? Muss ich jetzt immer und ständig kochen, was ist eigentlich ein normales Leben? Wieviele Schnelltests muss meine kleine Tochter noch machen, wenn die Schule noch xx Wochen bis zu den Sommerferien geht, sie jede zweite Woche hindarf, zwei Tests pro Woche gemacht werden sollen, die Schulen aber ab einer Inzidenz von 200 schliessen…Ähhhhh..?

Irgendwann wurde diese seltsame innere Fragerei unterbrochen von meiner Ärztin, die mich hereinholte und circa 20 Minuten später von der Frage erlöste, ob da eventuell etwas sein könnte. Befreit fuhr ich nach Hause und merkte schon während der Fahrt, dass der virtuelle Elternabend in der Klasse meiner Tochter begonnen hatte. Corona 2021 bedeutet, dass Eltern sich vor einem schwarzen, dunklen Bildschirm (keiner möchte sich zeigen, auch der Lehrer nicht) zu Fragen ihrer Kinder austauschen und da niemand den anderen sieht, ist es auch egal wo man ist. Ich für meinen Teil war zunächst im Auto, auf dem Schoss ein chinesisches Take Away Essen und begann mir auf diese Weise alles zum Thema Leistungsbewertung anzuhören. Wie man die Hand heben konnte, um sich einzubringen, war mir leider nicht ersichtlich, also hörte ich zu und fuhr gemütlich nach Hause. Dort angekommen machte ich mir mit dem Klassenlehrer und 25 Elternpaaren was zu trinken, ging auf Toilette, fotografierte meine süsse Tochter mit Katze und hatte immer den Computer im Schlepptau, durch den so wichtige Durchsagen kamen, wie und wann der Sexualkundeunterricht stattfinden kann in Corona Zeiten oder ob „der Junge im gestreiften Pyjama der geeignete Lesestoff sei für 13 jährige. Zudem lernte ich, dass ein Klassenlehrer nur ein Klassenlehrer ist und nicht all unsere Probleme lösen kann und dass die Fachlehrer die Fachlehrer sind (!). Dass viele Eltern unglücklich sind, was ja nun wirklich nichts Neues ist und dass vor allem das Fach Sport unterm Strich echt schlecht wegkommt. Frustriert nach diesem verrückten Tag zwischen Krebsvorsorge, Elternabend und vielen anderen Dingen, die ich lieber nicht erwähne, beschloss ich ins Bett zu gehen, das Handy endlich auszumachen und stattdessen mal wieder ein neues Buch in die Hand zu nehmen. Und wer hätte das gedacht? Das Buch war der „Burner“ (die Geissens muss ich nun leider auch immer gucken, neben GNTM, daher lerne ich viele wertvolle Ausdrücke) . Da schon die ersten 20 Seiten wahnsinnig gut waren, hier die Empfehlung:

Die Autorin Laurie Gottlieb ist selber Psychotherapeutin und schreibt natürlich über genau das. Über witzige und schreckliche Klienten (Patienten) und über die Protagonistin, als sie selber einen brauchte.

Und zum Schluss ein kleiner Nachklang von der angehenden Astrologin. Meine Tutorin tröstete mich gestern damit mir zu sagen, dass an allem da draussen ein Quadrat Mitschuld hat (ein Aspekt, der immer wieder für Spannungen sorgt): Uranus (steht für Freiheit) und Saturn (steht für Grenzen und Einschränkungen) behindern sich schon eine Weile und tun das noch bis zum Sommer. Wer hat uns mehr Freiheit genommen, als Corona? Richtig, meine Deutung also: im Sommer wird endlich alles besser! Also schnell den Urlaub buchen und raus in die schöne Welt …ausser natürlich es taucht ein neuer, doofer Aspekt auf, aber nach so was gucke ich lieber gar nicht erst.

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