Da sind wir wieder – im Lockdown und keiner hat es gewollt

am besten nicht viel bewegen, vielleicht geht es dann schneller vorbei

Machen wir uns nichts vor, wir haben es alle kommen sehen. Die Zahlen stiegen und stiegen: in Frankreich, Tschechien, Spanien und wir haben gedacht: Wir Deutschen machen mal wieder alles richtig. Aber so läuft es nicht, wenn es um eine Pandemie geht, es ist kein Spiel, welches Land es besser oder schlechter macht. Wir alle müssen da durch und keiner freut sich. Die Kinder tragen seit Montag in Hamburg Maske, bekommen kaum Luft, sollen dann in der Pause die Maske absetzen, um wieder ganz kurz Luft zu bekommen. Dazwischen wird gelüftet, nur alle 20 Minuten jetzt. Nicht zu lang, nicht zu kurz, jeder Tag birgt neue Erkenntnisse und verwirft jene, von denen wir in der vergangenen Woche noch dachten, sie seien in Stein gemeisselt.

Die ersten Freunde sind an Corona erkrankt, einige leicht, andere schwerer. Es ist keine Krankheit aus der Zeitung mehr. Sie hat uns erreicht und wir verstehen, dass Corona jedes Mal anders verläuft.

Während wir den ersten Lockdown noch mit Humor und Lebensfreude angingen, denn immerhin ging es ja auch direkt in den Frühling hinein, bemerke ich jetzt selbst bei positiven Mitmenschen die Angst vor dem dunklen Winter. Was, wenn wir nun 6 oder 7 Monate gelockdownt sind? Woher noch den Antrieb nehmen, die Kinder zu motivieren, sich selbst zu motivieren? Wohin mit all der Einsamkeit, die auch schon normale alleinlebende Menschen ab Ende November in sich tragen? Fröhliche Corona Aperitifs, die wir mit Freunden auf Abstand im Garten hatten, weichen bei Minusgraden nun dem Hang gesund zu leben, um die Moral nicht zu verlieren. Meine neueste Bibel heisst: Heile deine Leber (Anthony William). Ab jetzt arbeite ich statt mit Gin Tonics, mit einem Entsafter. Die 2.Welle wird mich nicht kleinkriegen, sollte es eine Dritte geben, wird mir hoffentlich auch noch etwas einfallen.

Hätte ich die Kinder nicht, würde ich wahrscheinlich sehr viel lesen oder Serien gucken. Eventuell auch etwas vergammeln oder mir endlich eine Weiterbildung online organisieren, die mich wieder in das Arbeitsleben zurückbringt. Aber – wie ich schon so oft geschrieben habe- die Kinder sind die Leidtragenden der Pandemie und da ich sie liebe, suche ich Tag für Tag nach Lösungen, es ihnen leichter zu machen . Seit die Schule im August begonnen hat, hetzen die Lehrer durch den Lehrplan, eine Arbeit nach der anderen wird geschrieben, um nur ja ein paar ernstzunehmende Noten zu sammeln, falls, ja falls es wieder zum Lockdown kommt. In den letzten Tagen übten Lehrer mit uns welche Dateien, wie zu Hause hochzuladen sind und wieviel Stoff von zu Hause bewältigt werden kann. Wir sind eine Art Katastrophenschutzteam im Übungsmodus und bereiten uns wieder einmal auf den Ernstfall vor.

Ich persönlich möchte mich gerne verweigern. Ich schaffe es nur als Erwachsene halbwegs positiv zu bleiben. Das Glas ist halbvoll, halbvoll, halbvoll.

Wenn ich aber sehe, wie es den Kindern jetzt schon ergeht, wie ihre Sportstunden am Nachmittag gestrichen werden, sie jeden Tag neue Verordnungen zu verstehen versuchen und nebenbei dem Stoff vom letzten Jahr hinterherhinken (denn natürlich hat niemand gefragt, ob das eine oder andere Kind wirklich von Februar bis Mai alles verstanden hat zu Hause). Wie sie schlechte Noten nach Hause bringen und keinerlei Motivation mehr haben, weil die Perspektive düster ist für die kommenden Monate und ihre Mutter ihnen dennoch immer wieder erklärt, dass Handys übles Teufelswerk sind und sie doch bitte draussen spielen sollen, dann kann ich nur sagen:

Das Glas ist halbleer.

Sollte jemand eine Idee haben, wie wir es füllen können, ist er herzlichst eingeladen mir Ideen zu liefern.

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