Und der Preis für das grösstmögliche Daily Desaster geht an….

Das Uniklinikum Eppendorf in Hamburg.

Ich will Sie nicht zu lange hinhalten, der Frust über den gestrigen Tag steckt noch tief, die Erschöpfung auch, aber was solls, so ist das Leben. Meiner Schwester ging es gestern ganz und gar nicht gut. Fieber, sehr starke Bauchschmerzen, immer wieder Ohnmachtsgefühle. Wir gingen zum Arzt und wurden – immerhin mit Überweisung – in die Notaufnahme des Universitätsklinikums Eppendorf weitergeleitet. Diese Notaufnahme verfolgt mich…Schon einmal hat man mich hier gnadenlos abgewiesen und in der Folge brach mein Blinddarm durch, aber wir wollten nicht nachttragend sein, Zeiten ändern sich und wir waren im Prinzip ganz zuversichtlich, denn wir hatten ja dieses irre wichtige Schreiben vom Hausarzt in der Hand und waren nicht einfach nur Menschen, die in Gefahr liefen, nicht ernstgenommen zu werden. Punkt 11.44 Uhr reihten wir uns in die Schlange ein. Vor uns hatte eine Frau einen vielleicht, keiner weiss was, eventuellen Schlaganfall gehabt. Sie begegnete uns danach noch viele Stunden..Schlaganfälle scheine nicht so wichtig zu sein in der Klinikhierarchie.

Das Krankenhauspersonal ist auf jeden Fall gut geschult. Zum einen im Abweisen, zum anderen in freundlicher Lässigkeit. Um 12 Uhr fanden wir das noch ganz witzig um 18:44 fanden wir es nicht mehr ganz so komisch. Wir kannten nach 6 Stunden fast alle Pfleger und Patienten, auch mit Namen, die Fallgeschichten, zum Teil auch die Handynummern (wir sassen sehr nah beinander) und waren erstaunt, dass wir uns angeblich mitten im Herzen einer brandgefährlichen Corona Epidemie befinden sollten, denn in der ganzen Zeit in der wir da waren wurden nicht EINER unserer neuen Bekannten in der Notaufnahme gefragt, ob er aus einem Risikogebiet komme oder Symptome habe. Isoliert wurde auch niemand, Platzprobleme schienen ein grosses Problem zu sein.

herrlich gemütlich so ein enges Wartezimmer in Corona Zeiten

Anders kann man es wohl kaum erklären, dass ein junger Mann über 3 Stunden im offenen Warteraum sass und sich das Leben aus dem Leib gespuckt hat. Die Schwestern in der Notaufnahme lächelten freundlich und liessen ihn spucken, auch noch als sich die Tüte mit dem Erbrochenen auf dem Wartezimmerboden entlud. Meine Schwester und ich hatten uns schon Stunden zuvor aus dem infektiösen Warteraum in 2 bereitstehende Rollstühle in der Halle gesetzt und waren erstaunt, dass alle anderen neben dem Spuckmann einfach sitzen blieben.

Der Raum war voll, Abstände gab es nicht, die Menschen benutzten alle eine Toilette, alle den selben Wasserspender und vor allem unser spuckender Freund holte sich regelmässig neues Wasser und fasste einfach alles an. Statt Corona lieber Noro Viren ist ja auch was, oder? Wir wollten jedenfalls keine von beiden. Irgendwann hatte meine Schwester einen Zugang gelegt begonnen. Das schafft, glaube ich Vertrauen, denn damit signalisiert man dem Patienten:ICH NEHME DICH ERNST. Bei dem Zugang blieb es lange, aber immer mehr Leute bekamen diese schicken Braunülen und alle sahen erst mal glücklich aus, weil man mit so einer wichtigen Nadel im Arm ja schliesslich nicht wieder abgewiesen werden kann, aber viele Stunden später war immer noch nichts hereingeflossen, kein Schmerzmittel, kein Antibiotikum, kein Wasser. In der Folge beobachteten wir einen Mann, der mehr Bauchschmerzen hatte als meine Schwester (oder einfach unbefangener zeigen konnte wie es ihm ging ) und sofort weggebracht wurde (wir waren sehr neidisch), einen Mann, der genau wusste, dass es seine Milz war, die schmerzte (woher weiss man das?)…ab da nannten wir ihn den Milzmann. Die Schlaganfallfrau, die Runde um Runde durch die Halle drehte, eine Frau die einen Alkoholrückfall hatte und erst vor drei Wochen in der selben Klinik einen Entzug gemacht hatte, viele dehydrierte junge Mädchen, die besser nicht zum Sport gegangen wären bei 34 Grad Aussentemperatur, ein altes griechisches Paar, das entzückend kultiviert war inmitten dieses Wahnsinns und jede Menge junge Ärzte, die hinter den Notarztwagen und den dahinterstehenden „Rauchen verboten“ Schildern Zigaretten konsumierte, um sich vor dem Notaufnahmenstress zu retten.

unser Foto des Tages 🙂 möge es mir der kaputte Arzt verzeihen, aber man sucht wirklich nach lustigen Dingen, wenn man stundenlang in der Notaufnahme ausharrt

Ach Apropos Corona…Was ist das? Also wenn noch einer behauptet wir wären gerade in einer Corona Epidemie, dann muss er sich täuschen. Bis auf Menschen mit Masken haben wir davon nichts mitbekommen. Wie schon vorhin erwähnt, wer nicht fragt bekommt keine Antwort. Corona Fragen werden im UKE nicht gestellt, warum auch?

Mein Fazit: gehen Sie auf keinen Fall in die Notaufnahme. Wenn Corona uns nicht krankmacht, dann ein solcher Tag auf jeden Fall. Ich liege heute im Bett und bin völlig erschöpft. Meine Schwester und ich waren über Stunden nicht auf der Toilette, weil wir uns so geekelt haben, den Wasserspender haben wir nicht angerührt. Und als wir um 19.15 das Krankenhaus verliessen wollten wir nie mehr zurückkommen. Ach ja eine Diagnose hat meine Schwester dann doch noch bekommen, den Rest muss jetzt der Hausarzt machen, klar!

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