Ohne Moos nix los…

Eigentlich ist das ja eine selten blöde Überschrift, aber das Thema Moos stürzt mich in tiefe Verzweiflung. Gerade erst habe ich den letzten Berg an schulischen Herausforderungen überstanden, da steht eine Versuchsreihe an: Flechten und Moose. Wieviel Wasser sie aufnehmen können und so weiter. Das sollte machbar sein, auch wenn es schon wieder nach etlichen Stunden Elternhilfe klingt, aber das Problem, das wir offenbar nicht einkalkuliert haben ist, dass Moos für uns Moos ist. Sprich, alles ist EINE Art und nicht drei verschiedene. Gestern bin ich mit meiner Tochter losgeradelt und wir haben gesucht: An Bäumen, unter Bäumen, am Wegesrand, im Park, am Ufer eines Flusses…Tolle Radtour, wunderschön, nur das Moos, das wir gefunden haben, sah immer gleich aus. Abends habe ich auf Moos-Webseiten recherchiert, wie denn die anderen 6000 Moose beispielsweise aussehen und wo man sie finden könnte, aber auch da wurde ich nicht viel klüger. Einige sind ausgestorben, andere wachsen im Moor (haben wir hier gerade nicht zur Hand) und dann immer wieder die Moosart, die wir hier haben, die überall wächst. Heute gehen wir nochmal in den Hamburger Hirschpark. Das Wetter ist schön und meine Tochter freut sich, ist ja auch besser als am Computer zu hängen und Versuche zu notieren, die nicht klappen können, weil es das immer gleiche Moos ist. Ich bin genervt.

das ist das Moos, ich bräuchte aber noch 2 weitere Arten
auch am Fluss gibt es kein Moos (oder wir sehen es nicht)

Die Corona Stimmung um uns herum verändert sich langsam. Nachdem sich anfangs alle zurückgezogen haben, gibt es nun vermehrt auch wieder Anrufe, Besuche am Gartenzaun und ähnliches. Radikal abgenommen hat – zumindest bei mir- der endlose Fluss von lustigen Corona Filmchen auf dem Handy. Die ersten Wochen musste ich mir zum Angucken der Filme einen eigenen Slot im Tagesablauf nehmen, so viele waren es. Jetzt haben wir offenbar alle genug gelacht, zwischendurch ist sogar hin und wieder ein Film über den Osterhasen dabei.

Mein Highlight der bisherigen Woche war der Plan mit den Kindern Sushis zu machen. Eigentlich nur ein müder Versuch sie wieder einmal vom Handy wegzulocken, aber auch eine Sparmassnahme, weil sie am liebsten täglich Sushis bestellen würden. Also habe ich den ganzen Kram im Supermarkt gekauft, den Sushi Reis eingekocht und mir – ebenso wie bei der Torte neulich- nicht viel erwartet. Überraschenderweise aber haben wir es hingekriegt ohne mit den Füssen bis zum Hals in verklebtem Sushireis zu stehen. Die ersten waren noch etwas gross, aber das Ergebnis war top. Kappa Maki und Avocado Maki. Sehr lecker.

sehen gut aus, oder?

Erkenntnis 804XY aus den Corona Zeiten: Ich traue mich Sachen, die ich vorher im abendlichen Stress nie gemacht hätte UND es klappt. Mein nächster Plan ist es mit meinem Mann Dinge auszuprobieren, die wir bislang unter „schwierig“ verbucht haben und die uns schmecken: Zabaione, Soufflee, solche Dinge.

Und um mal nicht nur über Corona und die zwischenmenschlichen Folgen zu schreiben: es ist hart zu sehen, wie die Kinder gross werden. Irgendwie scheinen mir 5 bis 6 Jahre verlorengegangen zu sein, weil alles zu schnell ging. Gestern Abend sagte die Grosse, als ich mit ihr kuscheln wollte, was denn mit mir los sei, woher dieses Bedürfnis nach dauernder (dieses Wort wurde leicht genervt, fast ironisch ausgesprochen)Nähe käme. Danach ist sie schnell abgehauen, weil sie wohl eine weitere Umarmung fürchtete.

Die Kleinere lässt mich noch kuscheln, zeigt aber kritische Tendenzen: „Mami, was ist das Dunkle an deinen Augenbrauen, schminkst du dich da etwa, also wenn ich ehrlich sein darf, das sieht nicht gut aus.“. „Mami du musst die Haare an deinen Kinn zupfen, du bist doch keine Oma.“ „Mami kannst du bitte zum Friseur gehen, deine Haare werden grau“ ..Am blödsten wurde es mir aber gestern auf unserer Fahrradtour. Während sie weit voraus fuhr, redete sie ununterbrochen mit mir und ich verstand so gut wie nichts. Nach dem dritten Mal „Wie bitte?“ meinerseits, platzte ihr der Kragen: „Weisst du Mama, das nervt so sehr , dein ewiges wie bitte, hörst du schlecht oder wirst du einfach alt?“ Das sass. Denn ich höre sehr, sehr gut und – wie ich als Tochter einer anderen leidgeplagten Mutter – weiss bedeuten diese Art Sätze nicht, das was sie sagen. Die Übersetzung lautet:

Ich werde grösser und sehe du bist doch nicht die fehlerfreie , makellose Göttin, für die ich dich 10 Jahre lang gehalten habe. Da das auch für mich traurig ist, werde ich nun doppelt verletzend.

Das muss ich nun erstmal verdauen. Also nicht, dass ich angeblich schlecht höre, sondern, dass es mit der tiefen Verehrung offenbar vorbei ist.

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