Ich weiss, dass ich nichts weiss. Über das Warten auf irgendwas.

Geht Ihnen das auch so? Am Anfang haben wir stündlich Nachrichten geguckt, haben Fallzahlen studiert, den Verdopplungsquotienten und wie das nicht alles heisst. Wir waren kleine Virologen und wenn man – wie ich – noch etwa 10 weitere angeblich intelligente Nachrichtenblogs abonniert hatte, kam man aus dem Lesen nicht mehr raus. Würde man meine Infokurve zeichnen, sähe sie dramatisch aus: steil nach unten fallend. Ich interessiere mich inzwischen so gut wie gar nicht mehr für die Nachrichten. Auch wenn ich die ZDF Heute immer gucke, weil es einfach MEINE Sendung war (die ich einst stolz moderiert habe) kommt spätestens dann der Fremdschämeffekt , wenn der oder die Moderatoren ankündigen: „Und hier die aktuellen Zahlen der Johns Hopkins Universität. Es klingt inzwischen wie: „Und hier die Lottozahlen “ oder “ und „hier jetzt noch das Wetter“. Ich will es nicht wissen.

Wissenswert wäre, wie es mit meinen faulen Kindern weitergeht, die -während ich diesen Blog schreibe- noch nicht aus den Betten zu kriegen waren. Jeden Tag legt sich ein grösseres Phlegma über uns und sie sind immer schwerer zu etwas motivieren.

Gestern war ich kurz davor meinen Lehrerjob endgültig hinzuschmeissen, weil unsere Schule an jedem irgendwie möglichen Wettbewerb teilnimmt und während andere Freundinnen von mir locker durch 2 morgendliche Schulstunden kommen, sitze ich nachmittags immer noch am Tisch, um Dateien irgendwelcher Moosversuche zu konvertieren, die dann am Montag in den nächsten Wettbewerb eingeschickt werden sollen.

Gestern war der Mathe Känguru Wettbewerb. 75 Minuten sollten die Kinder Zeit haben für 4 Seiten Knobelaufgaben und Mütter sollten selbstverständlich NICHT helfen. Ich habe mich im Vorfeld bereits gefragt, warum sie das dann unbedingt zu Hause durchziehen müssen? In der Schule klappt so etwas, aber zu Hause? Nennen sie mir ein Kind, das nicht verzweifelt seine Mutter angucken würde, wenn es vor ihm etliche unlösbare Aufgaben hat. Was mich gestern wieder einmal zu der Frage brachte, ob ich zu den moralisch verwerflichen Kategorien von Müttern gehöre. Ich arbeite NICHT 6 Stunden am Tag mit Ihnen, ich bin froh, wenn ich mal für mich Zeit habe, ich helfe bei Experimenten, damit die Sache irgendwann abgehakt werden kann und ich habe auch nichts dagegen, dass sie nachmittags am Computer spielen. Neulich erzählte mir eine befreundete Mutter, sie würde die Kinder morgens früh wecken, dann gäbe es zwei Lernslots bis 16 Uhr!!!!Mit einer längeren Mittagspause (immerhin). Danach müssten sie Sport treiben und dann gäbe es Abendessen.

So etwas deprimiert mich zutiefst. Ich weiss nicht, wer mir mehr leid tut. Die Kinder, die Mutter oder ich, die ich in solchen Momenten das Gefühl habe, das aus meinen Kinder nie etwas werden wird, weil sie von mir nur Blödsinn lernen.

Apropos Blödsinn, ich schrieb ja bereits darüber, dass mein Intellekt bedrohlich abflacht. Von Maria Theresias Biographie (nie zu Ende gelesen) zu Beginn der Pandemie, hin zu englischen Krimis und nun bin ich bei Pubertät Ratgebern (sehr erheiternd und vor allem aufbauend) und einem wunderbaren Buch über den alternden Hals von Nora Ephron. Sie war eine der einflussreichsten Frauen der amerikanischen Filmindustrie und ihr haben wir so tolle Filme wie Harry und Sally oder Schlaflos in Seattle zu verdanken. Aber zurück zum Buch. Es heisst:“ Der Hals lügt nie“ und wurde mir von einer durchaus klugen Frau empfohlen, die sagte, sie hätte lange nicht mehr so gelacht. Und Tatsache ist, es ist köstlich. Ab 43 altert unser Hals und egal, was wir mit unserem Gesicht anstellen oder welche guten Gene wir haben oder uns anoperieren, der Hals zeigt unser wahres Alter. Jeden Nachmittag liege ich nun im Garten und lache vor mich hin, wenn sie beschreibt, wie in New Yorker Lunch Restaurants beinahe alle Frauen der Gesellschaft Stehkragen, Schals oder Rollkragenpullover tragen.

Sehr zu empfehlen für alle Frauen über 43

Vielleicht sollte ich auch nochmal ein Buch schreiben, über wabblige Oberarme. Die Kinder sind der Meinung, dass man die besser auch nicht mehr zeigt. Wenn sie sehr gemein zu mir sind, kommen sie von hinten und piksen mir in die unteren Oberarme und wenn es dann wackelt, schreien sie glücklich vor lauter Ekel darüber, dass an ihrer Mutter nicht alles so fest und straff ist wie an Kylie Jenner, die sie- sehr zu meinem Unglück- toll finden.

Aber noch einmal zurück zur Überschrift: heute erreichte uns wieder einmal ein Elternbrief der Schule und ich wollte ihn schon gar nicht mehr öffnen, weil ich den Inhalt ahnte. Auch Frau Merkels Rede hat unsere Schulleitung nicht deutlich klarer werden lassen. Sie beraten jetzt, wie es weitergehen könnte, aber eigentlich wissen sie es auch nicht. Es muss hart sein in diesen Tagen eine Schule zu leiten.Irgendeiner meckert immer. Da lobe ich mir doch meine antike Einstellung zu den Dingen:

Ich weiss, dass ich nichts weiss.

Damit kommt man immer weiter. In diesem Sinne, einen schönen Tag.

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