Corona ungeachtet – Mein Pubertier muss wieder zur Schule

Endlich gibt es einen Termin für das Ende meiner Lehrtätigkeit. Am 4.Mai soll – zumindest die Grössere – wieder zur Schule. Ich bin mal gespannt, wie das funktionieren wird. Bis zuletzt scheint niemand zu wissen, wie und wann, wieviele Kinder in welchen Fächern unterrichtet werden sollen. Grossartige Voraussetzungen für den Unterricht, aber ich freue mich dennoch. Ein Kind weniger, das ich mit ekelhaften Druckmitteln aus dem Bett quälen muss und mich schon eine Stunde später fragt, wann es sein Handy endlich haben darf. Sechs Wochen nach dem Rückzug von aller Normalität hat Corona nicht unbedingt das Beste aus uns gemacht. Ich verwechsele Tage, gehe zu spät ins Bett, finde Dinge nicht mehr wieder. Es ist als ob eine grosse Trägheit sich über mein Gehirn gelegt hätte und jede kleine Aufgabe schon eine Aufgabe zu viel sein könnte.

Kein Wunder, dass es unter solchen Umständen auch zu Kämpfen mit den angehenden Pubertieren kommt. Neulich hatte meine grosse Tochter 9 Stunden Bildschirmzeit auf dem Handy. Der Schock sass auf beiden Seiten tief. Verwahrlosung würde es wohl am besten umschreiben. Aber es ist tatsächlich so, dass auch mein Mann und ich zuweilen (es war am Wochenende) stundenlang im Garten liegen und dem grossen Kind Glauben schenkten, dass es Hausaufgaben machen wollte. Die hat sie im übrigen tatsächlich gemacht, aber dazu gab es entweder Musik oder ein Telefonat oder ein bisschen TikTok. Und irgendwann waren 9 Stunden erreicht. Was macht man als Eltern, wenn man eigentlich die Schuld zuerst bei sich sucht? Man wird wütend. Und das wurden wir dann auch und alle meine tollen Bücher, die ich gerade über das Verständnis pubertierender Mädchen gelesen hatte, waren wieder zunichte.

Darin hatte ich gelernt, dass immer BEZIEHUNG im Vordergrund steht (kann man natürlich nicht aufbauen, wenn man mit Mann im Garten liegt, wobei die Beziehung zu IHM so deutlich besser wird)

Wut soll man lernen wegzuatmen (ein.aus.ein.aus.ein) Sonst einfach mal den Kindern sagen:“ Du ich gehe mal in ein anderes Zimmer und muss Dampf ablassen, wir sprechen danach.“ DAS werde ich wahrscheinlich nie lernen, denn wenn ich wütend werde, hat das einen Grund und dann will ich ja, dass die andere Seite das weiss.

Im Grossen und Ganzen war das Buch dennoch in Ordnung (bzw. die Bücher, ich mache keine halben Sachen) Einerseits war es schuld an Valentinas 9 Stunden, denn an dem Tag habe ich alle ausgelesen, andrerseits verstand ich, dass hyperautoritäre Grenzen in dieser Zeit nichts bringen. Es gilt, Kontakt zu halten, selbst wenn es schwer fällt. Also atmete ich tief ein und aus, als mir meine Tochter kurz darauf sagte, sie fände mich streckenweise so peinlich, dass sie nicht in einem Raum mit mir sein wolle.

Gut, dass das jetzt bald anders ist. Das Schicksal schickt sie zurück ins Klassenzimmer und ich darf mich auf EIN Schulkind konzentrieren, das ich noch eine Weile zu Hause unterrichten darf. Die hat zwar auch keine Lust mehr, ist aber mit 10 Jahren noch etwas lenkbarer. Mal sehen, wie lange noch.

Neulich sah ich bei Facebook einen Post, der mir im Einzelnen zeigte, was im Grossen gerade passierte. Eine Freundin von mir, erfahrene Journalistin, die schon aus Kriegsgebieten in Afrika berichtet hat und vieles mehr, fährt um Kiel herum nun Brötchen aus. Eine Frau, die Journalistenkurse gibt und mit der ich jahrelang Nachrichten gemacht hat, bringt den Menschen Brötchen, für 450 Euro im Monat. Sie hat drei Kinder zu ernähren und sich selbst. Sie hat keine Wahl. Wie so viele andere auch, aber es im einzelnen zu sehen, war doch schockierend. So viele Menschen, die schon jetzt nicht mehr wissen, wie sie ihr Leben finanzieren sollen…Wo soll das bloss enden???

Ab Montag herrscht in Hamburg Maskenpflicht und es erstaunt mich sehr, dass die Hamburger darauf mehr oder weniger unvorbereitet reagieren. Gestern war die Schlange vor unserem Maskenschneider so lang, dass unsere Einkaufsstrasse voll von Menschen war, die noch eine ergattern wollten. Aber diese Maskenpflicht war doch alles andere als eine Überraschung?! Auch vor der Einführung der PFLICHT war doch schon klar, dass man mit Masken sich und andere schützen kann. Sind wir Deutschen wirklich so obrigkeitshörig, dass wir lieber gar keine tragen, nur weil ein paar Virologen und Politiker sich darüber streiten, ob und wieviele Viren in welche Richtung durch den Stoff dringen könnten?Besser eine als keine, muss die Devise lauten und ehrlichgesagt, selbst eine dieser Mega Masken mit Filter von denen ich welche habe, werden offenbar nicht anerkannt. Ich habe ihnen heute den Namen EGOISTEN Masken gegeben. Warum? Eine Freundin von mir, die sich in einer Krebstherapie befindet war mit der Maske, (die ich ihr extra zum Schutz gegeben hatte), zur Infusion erschienen und man erklärte ihr, sie solle sie abnehmen. Sie sei zwar geschützt (was ja im Falle so einer Erkrankung eigentlich das Wichtigste sein sollte), aber durch den Filter, der auf diesen Masken sitzt, könnten andere angesteckt werden. Die Alternative war eine dieser dünnen OP Masken. Dass ich das nicht verstehe, ist hoffentlich nicht schlimm, oder? All diese kranken Menschen sitzen dort nah auf nah bei der Chemo und anderen Therapien und dann nimmt man ihr diese Masken, um die sich in Hamburg alle Arztpraxen prügeln, einfach weg. Seltsam.

Zum Schluss noch diese als Bajuwarin wichtige Angelegenheit. Die Wiesn wurde abgesagt. Nicht, dass ich da in den vergangenen Jahren noch hingegangen wäre, aber es ist so undenkbar, wie wenn Söder Weihnachten streichen würde. Die Wiesn war einfach IMMER und selbst in dem Jahr als es dort einen Bombenanschlag am Eingang des Oktoberfests gegeben hat, wurde nicht abgesagt. Nun schlägt ein Virus alles. Ich fürchte wir müssen uns die kommenden Monate noch auf viel mehr gefasst machen.

Die positivste Meldung von gestern: Hamburgs Einbrüche sind um 45 % zurückgegangen. Endlich einmal ein schöner Corona Effekt. Wir sind alle zu Hause und das nervt die, die reinwollen. Wie wunderbar. Nur in der Gegend um Harburg soll der Effekt nicht zum Tragen gekommen sein. Warum konnte mir der Zeitungsartikel allerdings auch nicht sagen.

So, nun beginnt ein weiterer schöner Tag in der Reihe der vielen sonnigen Corona Tage. Meine Kinder wollen keine Hausaufgaben machen, ich auch nicht und die Lösung werde ich wohl nicht bei Google finden. Drücken sie mir die Daumen, dass mir was einfällt, um den müden Haufen hier zu motivieren. Nichts ist schwieriger als das.

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