Corona = Normal – und was danach?

Die 5. Woche Rückzug ist angebrochen bzw. wir befinden uns bereits mitten drin und alles hat sich eingespielt. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass ich es normal finde. Zu Hause sein, lernen, kochen, schlafen, essen und wieder essen. Manchmal mache ich mir etwas Sorgen um meinen Energiepegel. Noch nie war ich so müde wie jetzt, was die Frage aufwirft, ob ich DAVOR unachtsam über meine Bedürfnisse hinweggefegt bin und jetzt spüre, wie ich mich wirklich fühle. Oder aber, das Nichtstun macht müde. Ich fürchte letzteres dürfte stimmen. Nach 4 Tagen Home-schooling-freier Zone an Ostern, wunderbaren Wetters, grösstmöglichster Harmonie zu Hause und so weiter und so fort, beschloss ich gestern, dass es Zeit für Aktivität sei. Nach unser vormittäglichen Schuleinheit musste ich mit der Grossen zum Pneumologen (ja ausgerechnet), wo sie Ihren vierteljährlichen Lungenfunktionstest machen musste. Nicht ganz unbeschwert klingelten wir an der Praxistür, ziemlich in Sorge, dass wir überall auf Corona Patienten treffen könnten und bekamen erst einmal nur eine Stimme zu hören:

„Haben sie einen Termin?“. Wir: „Ja.“ Praxis: „gut dann dürfen sie in den ersten Stock hoch, aber noch nicht eintreten, bitte erst den Zettel ausfüllen.“ Das taten wir dann auch und bekamen einen Liste von evtl. Beschwerden wie Durchfall, Halsschmerzen und Husten. Wenn man auch nur einmal „Ja“ ankreuzte, durfte man direkt wieder gehen. Bei „nein“ blieb die Option ein weiteres Mal zu klingeln. Da wir Nein angekreuzt hatten, klingelten wir also und wurden alleine in ein Wartezimmer geführt, was normalerweise so voll ist wie der Hauptbahnhof am Mittag.

2 Wartezimmer gibt es in der Praxis und genau 2 Patienten dürfen in die gesamte Praxis. Ich war beeindruckt, wie vorsichtig und effizient dort die Corona Problematik gelöst wurde.

Irgendwann hatten wir unsere Tests erfolgreich hinter uns und ich beschloss mit V. noch zum Recyclinghof zu fahren. Leider lehrt uns Corona nicht nur zu Hause zu bleiben, sondern auch Geduld zu haben, denn was machen wir Deutschen, wenn wir zu Hause bleiben? Wir misten aus. Die Schlange zum Wertstoffhof war so lang, dass selbst meine pubertierende Tochter mit mir redete – was sollten wir auch sonst tun.

Wahnsinn! Alle wollen das EINE: Ausmisten

Nächster Punkt auf meiner Liste der Dinge, mich aktiv zu halten war die Waschstrasse und auch da lag ich offensichtlich voll im Trend des deutschen Corona Bürgers. Wieder eine lange, lange Schlange und wieder reihte ich mich tapfer ein. Meine Tochter sprach inzwischen für ihre Verhältnisse schon richtig viel. Das Programm Autowaschen war nur noch Nebensache.

Um dem Ganzen noch die Krone des Alltäglichen aufzusetzen, beschloss ich zum Schluss noch den Baumarkt anzusteuern, um ein paar Balkonpflanzen einzukaufen. Und spätestens jetzt wurde mir klar, wie gewöhnlich meine Bedürfnisse wirklich waren. Auch hier warteten etwa 50 Menschen darauf sich Balkonpflanzen zu kaufen. Vielleicht gab es ein paar Ausnahmen, die noch ihr Gartenhaus streichen wollten, aber das Gros steuerte wie ich den Gartencenter an – also irgendwann dann, nachdem wir in sauber eingeteilten Reihen etwa 40 Minuten auf Einlass gewartet hatten.

Fazit des Tages: Ich bin wie alle. Das muss ich erstmal sacken lassen.

Weiteres Fazit: Das schadet nicht, denn so bin ich endlich mal wieder mit meiner leicht entfremdeten Tochter ins Gespräch gekommen. Ich habe ALLES über Computerspiele erfahren und warum es ihrer Meinung nach entscheidend ist sein gesamtes Taschengeld im Internet zu lassen. Eventuell kann ich mir die Ratgeber doch sparen, die ich bestellt habe. (wie verstehe ich mein Pubertierendes Kind?). Vielleicht besteht die Lösung darin, sich in quälend lange Schlangen zu stellen und keine Wahl zu haben auszuweichen. Ach und Zuhören scheint gut zu sein, selbst wenn Computerspiele nicht ganz meine Thematik sind.

Nach einem kleinen Schlusstop im Supermarkt riss ich mir zu Hause Maske und Handschuhe runter und sprang frisch desinfiziert gegen 18 Uhr ins Bett. Ich war völlig erschöpft. Früher hätte ich so einen Nachmittag mit links erledigt, heute muss ich mich erst einmal erholen. Für morgen ist nichts geplant ausser Schule und Klassenchat. Das werde ich hinbekommen. Und dann warten wir auf Frau Merkels Rede und darauf, ob das Leben danach wieder so wie früher weitergeht. Ich weiss wirklich nicht, ob ich das schaffen werde. Die Verlangsamung hat sich 5 Wochen lang in mir ausgebreitet, ich werde mindestens 5 Wochen brauchen um wieder in dieses rasante, alte Tempo zurückzufinden. Bleibt die Frage, ob die jetzige Ruhe nicht normaler ist, als das was davor war? Ich habe das Gefühl erstmals seit langer, langer Zeit wieder Gefühle zu haben wie in meiner Kindheit. Das ist so schön, dass ich davon süchtig werden könnte. Aber ob die Schulen und alles andere wirklich schon wieder öffnen, bleibt abzuwarten. mein Lieblingscartoon der letzten Tage hat es nett zusammengefasst:

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