Corona Leere-Corona Druck

Es ist eine verrückte Gefühlsmischung diese Quarantäne Wochen. Confinement nennen die Franzosen es und ich finde der Ausdruck trifft es irgendwie gut: Beschränkung heisst das und beschränkt sind wir ja nun wirklich. Manchmal trifft mich diese Leere wie ein Paukenschlag. Zum Beispiel heute: eigentlich wird meine Schwiegermutter 75. Tage wie diese sind zum Feiern da, aber stattdessen haben wir vorhin Kuchen und Blumen dort vorbeigebracht, als sie nicht da war und danach per Face Time gesungen. So schön das ist, so leer ist es auch. Als ich meine Mutter vorhin anrief und fragte, wie es ihr geht, sagte sie, gut soweit, aber wenn sie einen Wunsch freihätte, dann würde sie gerne in die Stadt fahren und einen Café trinken und irgendetwas shoppen, völlig egal was.

Ich kann das nachvollziehen. Ich möchte auch etwas Leichtes tun, etwas Profanes, nichts was unser Leben ändert, das Klima oder unser Bewusstsein, sondern einfach nur was nettes Kleines, so wie Eisessen gehen mit Freundinnen und Kindern.

Drei Wochen Confinement liegen hinter uns, ein Ende ist nicht abzusehen und wir halten uns bisher brav an alle Regeln. Wir sehen niemanden, gehen mit Maske einkaufen und lernen zu viel für die Schule. Womit wir auch bei der Überschrift wären. Hier zu Hause schwanken wir zwischen leerer Müdigkeit und zu grossem Schuldruck. Wenn ich Nachmittags das überambitionierte Programm der einzelnen Lehrkräfte durch ab, steht mir nicht mehr der Sinn nach Camus oder Kafka (ich hatte mir so einiges vorgenommen). Auch die Fenster habe ich nicht geputzt, den Keller nicht entmüllt, gar nichts. Briefe habe ich noch nicht geschrieben, obwohl ich wollte, aber dann habe ich mir den Daumen ziemlich übel in der Mikrowelle verbrannt und nun arbeite ich mit links und habe schlechte Laune.

Ja, ich gebe es zu, ich bin einem Corona Tief. Den absoluten Tiefpunkt habe ich übrigens gestern erreicht, als ich nach getaner Schularbeit fast 4 Stunden in einer völlig verdreckten und verklebten Küche stand, um den Ehrgeiz meiner kleineren Tochter umzusetzen: Sie wollte für ihre Oma einen Geburtstagskuchen backen und liess sich nicht auf meine Vorschläge ein: Marmorkuchen: NEIN! Zitronenkuchen:NEIN!Sandkuchen mit Schokoüberzug: NEIN! Ihre Lieblingssendung heisst „das grosse Backen“ und da geht nichts ohne Buttercreme, Biskuitböden, Schokogrenache und mehr. Ich habe mich darauf eingelassen und nach 4 Stunden entnervt und wirklich am Ende meiner Kräfte, aufgehört. Unser Kuchen sah aus wie ein Cheeseburger in rosa und ich versuchte mich zu beruhigen, dass Oma-Liebe keine Ästhetik kennt, sondern nur den guten Willen. Das der Plan war, eine Corona-Virustorte zu backen muss ja niemand wissen.

Der Biskuitteig war noch zu bewältigen

Hier der Cheeseburger in rosa – also die Geburtstagstorte….

Der Oma haben wir es dann heute aber dennoch erklärt. Nicht, dass sie denkt, sie bekommt einen Igel, weil sie so stachelig ist oder noch blöder. weil sie in einen langen Winterschlaf gehen soll…Man merkt schon, mein Intellekt ist in üblem Zustand. Nachher trinken wir noch ein Glas Champagner auf sie, natürlich am Handy. „Houseparty“ ist die App der Corona Zeit, da können wir uns alle treffen und so tun, als ob es normal wäre und wenn das treffen vorbei ist, legen wir auf.

Unser Corona Virus…die fertige Torte (man beachte unten am Boden eine Reihe von dreckigen Handtüchern, sehr hygienisch)

Im übrigen habe ich beschlossen, ETWAS lesen ist besser als gar nichts. Da die intellektuelleren Bücher meinen leeren Geist nicht mehr erreicht haben, bin ich zu meiner guten, alten Elisabeth George zurückgekehrt. Endlich etwas, wo ich bekomme, was ich kenne. Scotland Yard, Barbara Havers (Kommissarin) und der adlige Kollege Linley und einen ungelösten Mordfall. Und dann erst der Titel: WER STRAFE VERDIENT… Ich gehe jetzt gleich nach oben und lese weiter. Ich tippe nicht auf den Pfarrer, ein Gärtner ist auch nicht dabei, dann war es vielleicht ein Student.. ?

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