Wieviel Unordnung ist eigentlich kreativ und ab wann sind wir Messies?

Also bevor ich jetzt über meine Kinder oder andere Freunde herziehe, muss ja mal folgendes klar ausgesprochen werden: In Bayern, wo ich herkomme, gibt es einen Spruch der heisst: Aussen hui innen pfui. Für alle die, die nördlich des Weisswurst Äquators wohnen: Norddeutsch bedeutet das, aussen sieht alles schön aus und innen nicht. Ich bin so eine Art Reinkarnation dieses Spruchs. Freundinnen, die mein Haus betreten, sagen immer „oh wow, bei dir sieht alles immer so sauber aus!“ Mein Mann dagegen (der in seinem 2.Leben dringend Hausmann werden sollte) steckt seinen Finger aus, wischt über den Kühlschrank und die Türränder und stöhnt, „wann wurde hier das letzte Mal Staub gewischt“. Im schlimmsten Falle öffnet er auch Schubladen, die der liebe Gott meiner Meinung nach nur erfunden hat, um dort Dinge reinzustopfen, die gerade woanders stören. Grundsätzlich weiss ich immer wo ich Handikabel, Tesafilm, Taschentücher und Pflaster finde, aber was für mich ok ist, mag für andere eventuell manchmal befremdend sein.

Neulich – wir waren gerade im Urlaub – rief ein Familienmitglied, das unser Haus und die Katze hütete, an und wollte wissen wo das Backpapier sei. Mein Mann sagte, „in der oberen Schublade, da wo auch die Alufolie ist.“ Leider hatte ich zwischenzeitlich meine Privat Arrangements geändert und die Alufolie und das Backpapier, nebst einiger Vitamine und Teesorten in der Aufwärmeschublade des Ofens verstaut.

Ja, ok…es ist seltsam. Ich gebe es zu. Aber ich komme gut klar so. Alles bestens.

Leider gelten meine Regeln nicht für meine Kinder. Da nämlich raste ich regelmässig aus. Neulich besuchten wir eine Freundin, in deren Kinderbad es wie geleckt aussah. Man hätte vom Boden essen können. Selbst die Zahnbürsten legten die braven Kindchen abends zurück in eine Schublade, so dass es aussah als ob gleich der Fotograf vorbeikam für eine Fotoserie zum Thema perfekte Kinderbäder. Selbstverständlich widerlegte das meine ferienbedingte Lässigkeit sofort und als ich abends unser Bad betrat war meine Empörung gross. Offene eingetrocknete Zahnpastatuben, Puppenköpfe, die noch geschminkt werden würden, dazwischen Haargummis, Playmobil Figuren, die in der Dusche eine Schwimmauszeit nahmen, alte Unterhosen VOR der Wäschetruhe und und und und. Das Fass, das ich an diesem Abend aufmachte war riesengross. Als dann auch noch der Eingang zum Kinderzimmer durch eine neu gebaute  Höhle versperrt war, hinter der noch eine Playmobilstadt lauerte, plante ich bei Budni einige riesige Plastikmüllsäcke zu holen und einmal richtig Ordnung zu machen.

Glücklicherweise bin ich in meinen Erziehungsrichtlinien leicht beeinflussbar und so klagte ich am nächsten Tag einer anderen Freundin, die nun bei uns war, mein Leid. Ihre Meinung war eine ganz andere: „Hey“, sagte sie “ das ist doch gemütlich, so ein Haus muss doch leben, schliesslich habt ihr Kinder.“

Im Herzen hatte ich wohl nur auf so etwas gewartet. Am Abend bauten die Kinder und ich einen engen Gang, an der Höhle und dem Playmobil vorbei. Auf der wenigen verbleibenden Restfläche des Kinderzimmers spielten wir eine sehr glückliche Runde Cluedo. Aufräumen können wir ja eventuell im Herbst.

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