Zirkus? Wer braucht denn einen Zirkus- meine Töchter auf Integrationspfaden

Auf Erkundungstour am Flüchtlingsheim

Auf Erkundungstour am Flüchtlingsheim

 

Früher einmal stand auf der Wiese unweit unseres Hauses einmal im Jahr der Zirkus. Als wir einzogen waren die Kinder ganz begeistert. Kamele waren dort und Pferde!!! Sie freuten sich auf die kommenden Jahre mit vielen, tollen Zirkusvorstellungen.

Anstatt der Zirkusvorstellungen baute die Stadt Hamburg ein Flüchtlingsheim auf die Wiese. Bordeauxrote Häuschen, ein bisschen im Schwedenhaus Stil. Schöner als Container und Zelte – aber eben kein Zirkus. Dachte ich. Meine Kinder allerdings sprachen ab dem Herbst von nichts anderem mehr. „Wann dürfen wir da hin, wann lernen wir die Flüchtlinge kennen?“ Manchmal kam es mir so vor, als ob die Attraktion des Zirkus von einer noch viel grösseren Attraktion abgelöst wurde: Menschen, die aus dem Krieg flüchten mussten. Für uns Erwachsene etwas, das Berührungsängste erzeugte, für die Kinder ein zauberhafter Magnet, durch den sie möglicherweise Dinge erfahren würden, die sie von uns nie erfahren würden…

Gestern dann war es soweit. Traum Wetter – wir wollten eigentlich nur zum Spielplatz nebenan, aber meine findigen Kinder nutzten die Chance und riefen, „guck mal Mami, da sind sie die Flüchtlinge, sie sind endlich rausgekommen! “ Ich habe mich natürlich ein bisschen (sehr) geschämt und in meinen nicht vorhandenen Bart gemurmelt, sie sollten doch die armen Kinder in Ruhe lassen, aber da waren sie schon mit ihren Rädern mitten reingeflitzt in die Flüchtlingssiedlung. Victoria raste zur Begrüßung erst einmal einen etwa dreijährigen Knirps mit ihrem Fahrrad um, um mir dann stolz zu berichten: „Mama ich habe ihn gefragt, ob alles gut sei und er hat gesagt, ja, alles gut! ER SPRICHT DEUTSCH!!! Ist das nicht toll?“ Parallel dazu entdeckte meine Ältere ein paar Jungen, die ihre Mountain Bikes aufbocken konnten und am Fenster schossen 2 Teenager Mädchen zu lauter syrischer Popmusik Selfies von sich. Es war erstaunlich. Nachdem ich den ganzen Winter einen Bogen um die neuen Häuser gemacht hatte (bloss nicht stören, sagte ich mir), zeigten mir nun meine Kinder, was ich schon viel schneller hätte erfahren können. Einen Haufen netter Kinder samt ihrer Familien, die sich freuten endlich einmal ein paar neugierige Deutsche zu treffen. Die Kinder beschlossen am Abend schnellstens wiederzukommen. Valentina war kaum zu bremsen in ihrer Neugier. Vielleicht sollte ich ihr noch sagen, dass ihre erste Frage nicht unbedingt die nach dem Krieg und der Flucht sein sollte. Aber andrerseits….Kinder sind Kinder und was bei Erwachsenen unmöglich ist, lösen Kinder auf ihre Art und Weise.

Den Zirkus vermissen meine Mädchen jedenfalls nicht mehr.

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