Ach wär ich doch nur ein Einzelkind…!!!

mediation1

6 Jahre lang haben meine beiden Töchter eigentlich ganz gut miteinander gelebt. Klar wurde hier und da mal gestritten, aber es war auszuhalten. In letzter Zeit allerdings ist der Geschwisterkampf in eine neue Runde gegangen. Kein Tag ohne, dass mich eine der beiden fragt, ob ich nicht die Andere für immer weggeben könnte. Valentina spricht von Hass auf ihre Schwester, Victoria träumt davon ein Einzelkind zu sein. Egal, wie oft ich ihr versuche zu erklären, wie wahnsinnig langweilig es nur mit Papa und mir allein sei, sie beharrt darauf: eine grosse Schwester möchte sie nicht mehr haben.

Im Grossen und Ganzen lasse mich ihre verbalen Wut-Attacken kalt, da ich selber eine Schwester hatte, mit dem gleichen Altersabstand und somit weiss ich ziemlich genau, was sich da gerade abspielt.

Bislang war Vic keine grosse Gefahr für Valentina. Immer noch ein bisschen süsses Kleinkind, anpassungsfähig und vor allem harmoniebedürftig machte sie ihrer Schwester das Leben nicht unnötig schwer. Doch seitdem Vic in die Schule gekommen ist, hat sich das geändert. Vic gibt keinen Millimeter Feindesland mehr ab. Es wird um Radiergummis, Haarspangen, CDs, Kuscheltiere gestritten. Wer als erstes Essen bekommt und wer abends den letzten Kuss bekommt. Manchmal frage ich mich ob ich den beiden etwas Baldrian ins Essen mischen sollte, weil sie mir mit ihrem Gezänk so auf die Nerven gehen.

Neulich entmosten mein Mann und ich gerade den Gartenzaun, als unsere Lieblings-Nachbar-Schwestern vorbeikamen (8 und 11). Toll, dachte ich im Stillen. Die beiden verstehen sich und gehen alleine raus, ohne ihre Eltern zu nerven. Alles eine Frage der Erziehung. Wir schaffen das auch! Die Wahrheit kam wenige Stunden später ans Licht. Während ich meiner Freundin K. , der Mutter der Kinder, vorjammern wollte, wie anstrengend meine sind, erklärte sie mir, IHRE hätten sich so sehr gestritten, dass sie sie als Erziehungsmassnahme vor die Tür gesetzt hätte. Quasi als Wutentlüftung, auch nicht schlecht. Beruhigt, dass es ihr nicht anders erging, schaffte ich es ein paar Stunden die Streits der Kinder auszuhalten.

Und ich denke, das ist alles erst der Anfang: Betrachte ich mich und meine Schwester ist es eigentlich erst ab 30 etwas besser geworden. Nach dem Spielzeugstreit kommt die Pubertät (also Konkurrenzkampf, weil Dauervergleich wer ist hübscher, dünner, vollbusiger), danach die Studienphase (wer ist klüger, cleverer hat den tolleren Freundeskreis) und dann irgendwann ENDLICH hat sich unser 2-faches Kinderkriegen ausgezahlt. Dann nämlich wenn die beiden kapiert haben, dass man mit niemandem besser über seine Sorgen sprechen kann als mit der eigenen Schwester. Das ist bei mir noch heute so, trotz 1.234.60009 Streits und Auseinandersetzungen. Ich weiss, sie versteht mich wie kein anderer. Und selbst, wenn sie mich kritisiert (und ich selbstverständlich in die Luft gehe) bleibt alles entspannt und ich muss nicht fürchten eine Freundin verloren zu haben.

In diesem Sinne: es sind ja nur noch etwa 24 Jahre…Nehmen wir es locker und …wer weiss? Vielleicht sind ja meine Mädels schneller als meine Schwester und ich? Fortsetzung folgt. (Mit Sicherheit!)

 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.