Frühjahrsmüde, Ostermüde, Ferienmüde…

Gähnen

Neulich, also um es genauer zu sagen, an Ostersonntag Nachmittag fand ich mich im Hochbett meiner Nichte wieder und fiel in ein österliches Schlaf-Koma. Das Gute an solchen Familienfeiern ist ja, dass man nur selten vermisst wird, da genug andere Menschen da sind. Nur besagte Nichte wusste Bescheid (ich hatte sie zumindest um Erlaubnis gefragt ob ich mich in ihrem Bett verstecken dürfte). Mitten im Trubel gönnte ich mir also ein kleines sehr verdientes Schläfchen und war glücklich. Eigentlich dürfte ich sowieso nicht meckern. Immerhin hatten wir zuvor 2 Wochen Ferien gehabt, davon waren wir eine beim Skifahren gewesen. Aber mein „ich will endlich mal wieder allein sein und das Reden einstellen – ICH“ war bis zum Anschlag auf Entzug. Seit 3 Wochen redete und redete und redete ich von Morgens 6 bis abends 22 Uhr. Meine Töchter scheinen nicht nur das übliche Mass an tausenden Worten pro Tag zu haben, nein, seitdem sie das Guiness Buch der Rekorde besitzen sind noch einmal 1000 Worte pro Stunde dazugekommen. „Du Mami, guck doch mal der Typ hat überall Piercings. Guck mal Mama, ein Walfisch wiegt XX Tonnen. Mami, weisst du zufällig wieviel die Erde wiegt. Mami wie heisst Jesus Papi, Josef oder Gott?“

Nein, ich wusste es nicht. Gar nichts wusste ich mehr, ausser, dass ich von Ruhe träumte. Wie wäre es wohl drei Stunden ohne Worte auszukommen? Ohne eine Frage, ohne Antworten, ohne Mami Rufe aus dem Treppenhaus?

Drei Tage gingen die Kinder nach den Ferien in die Schule und dann waren wieder Feiertage: Ostern. Ich hatte in den drei Tagen eingekauft, aufgeräumt, Anrufe erledigt, Hemden von der Reinigung abgeholt, aber was ich nicht geschafft hatte war mich einfach mal auf das Sofa zu setzen und zu schweigen. Nun bekamen wir Besuch. Patentante M. mit Mann und Kindern. Heissersehnter Besuch, aber eben dennoch Besuch und so ging das Quatschen weiter. Kennen Sie das, wenn man mitten im Gespräch das Gefühl hat, man entfernt sich aus sich selbst und unter ihnen wabert eine riesige Sprechblase? So ging es mir und das obwohl ich kaum lustigere Menschen kenne als die Zwei. Aber wer Ruhe sucht, sucht eben Ruhe notfalls auch mitten im Gespräch. Als die vier Ostersonntag abreisten war ich traurig. Schon vorbei? Aber kaum getrauert ging es zum nächsten Familienmittagessen. Einige tausend Worte und Fragen später landete ich endlich im Stockbett meiner Lieblingsnichte und war selig.

Wie war das noch …? Froh zu sein bedarf es wenig…. Diese Erkenntnis traf mich wie der Schlag und hallt seitdem glücklich nach. Heute Morgen habe ich mir trotz Zeitumstellung den Wecker noch etwas früher gestellt. Ich wollte geschenkte 10 Minuten Ruhe haben. Der Regen prasselte auf das Dach und bis der erste „Mama, bist du waaaaaach?“ Ruf ertönte war ich schon fast zufrieden.

 

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