Es weihnachtet sehr….Adventszeit ist Listenzeit – leider!

Jedes Jahr im November nehme ich mir vor die Adventszeit so zu geniessen, wie man das tun sollte: Kekse backen, basteln, als Familie zusammenrücken; den Kindern erklären, dass es nicht nur um Geschenke, sondern um Jesu Geburt geht und natürlich um die Freude dieser Geburt.

Jedes Jahr Mitte Dezember bin ich an meiner Aufgabe gescheitert. Die Kinder wühlen Werbeprospekte, die ich nicht schnell genug weggeschmissen habe und schreiben alle 3 Tage neue Wunschlisten mit Geschenken, die ich ihnen nie kaufen möchte (neuer Filly Pferd Turm, Barbie Kutschen etc). Draussen ist es 14 Grad warm und wir überlegen Café in der Sonne zu trinken, anstatt Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Geschenke werden online bestellt, um nicht noch mehr Stress zu haben und an meinem Kühlschrank hängen Listen, die die Listen in meinem Handy ersetzen und weitere Listen liegen im Auto, auf dem Nachttisch, einfach überall.

Egal wie gut ich vorbereitet bin, irgendwas in dieser Zeit will einfach nicht dass es friedlich und ruhig wird. Diese Woche zum Beispiel hatten wir uns vorgenommen auf einen bezaubernden, stillen Adventsmarkt auf einem Gut in der Nähe von Hamburg zu fahren. Top Idee, fand ich, das entschleunigt, bringt die Familie zusammen und den Kindern Weihnachten näher. Als wir ankamen, konnten wir das Landgut zunächst nur in etwa 2 Kilometern Entfernung bewundern. Vor uns auf der Landstrasse zog sich eine Blechlawine gen Adventsmarkt dahin, in weiter Ferne schillerten etliche Reisebusse in der Sonne..mein Gatte stöhnte, ich bekam Magenschmerzen, die Kinder waren ausnahmsweise ohne jede Erwartung. Die Parkplatzsuche auf dem zermatschten Feld gestaltete sich als schwierig, mehrere Traktoren waren bereits im Einsatz, um steckengebliebene Autos aus den Gräben zu ziehen und als wir endlich am Weihnachtsmarkt ankamen, mussten wir Schlange stehen, um EINTRITT zu bezahlen. (Liebes Landgut, dessen Namen ich nicht nenne, neben all dem Kommerz, der ohnehin schon gemacht wird auf solchen Märkten, muss da wirklich auch nicht Eintritt verlangt werden????)Nach einem dennoch ganz gemütlichen Mittagessen (klammert man den Gang zur Toilette aus, der etwa 20 Min dauerte, weil all die Insassen der Reisebusse auch mal mussten), wollten sich die Kinder austoben und entdeckten ein Trampolin, für das man selbstverständlich bezahlen musste und in der Schlange stehen musste.

IMG_5506

 

Opa und Oma froren, Tante und Onkel liefen schon einmal alleine über den Markt. Irgendwas an meinem Plan war nicht aufgegangen. Nach einer gefühlten Ewigkeiten glücklich springender Kinder gingen wir endlich los und guckten ein bisschen Stände an. Doch kaum wurde es gemütlich setzte Regen ein, schöner kalter Regen und mein Gatte beschloss: Es reicht! Wir fahren heim. Ein Kind heulte im Auto, weil es – wie es erklärte – noch gar nichts von seiner Familie gehabt hätte – das andere Kind heulte vor Müdigkeit. Wir wälzten uns aus den Schlammgräben und fuhren zumindest mit Weihnachtsmusik wieder nach Hause.

Die dritte Adventswoche begann und wer 2 schulpflichtige Kinder hat, weiss: die Woche vor den Ferien hat es in sich: Montag sollte nochmal gebastelt werden, ausserdem kam Oma München an, aber statt mit der nach Hause zu fahren, wurde unser Viertel evakuiert wegen einer hochgefährlichen Weltkriegsbombe. Dienstag ging die Klasse ins Weihnachtsmärchen, abends war dann Choraufführung (während der Victoria statt zu singen fast einschlief), natürlich mit tatkräftiger Unterstützung der Eltern, also neue Liste: Essen mitbringen, Kinder in Jeans und weissem Hemd, Partitur nicht vergessen. Mittwoch war auch wieder etwas, Donnerstag gehen alle nochmal schwimmen und Freitag toppen wir das Ganze mit den traditionellen Endjahresfrühstücken in der Klasse. In der einen muss ich Kuchen mitbringen, in der anderen Saft und Marmelade, bloss nichts durcheinanderbringen, ach und natürlich bekommt Mutter A noch Geld für das Lehrergeschenk, Mutter B hat es bereits; dass die Frühstücke zur selben Zeit an 2 verschiedenen Orten im Schulgebäude stattfinden, stellt mich wie immer vor die logistische Aufgabe wie ich mich am besten in 2 Hälften trenne.

Samstags verabschieden wir die Klavierlehrerin in die Ferien (Geschenk nicht vergessen!), dann fahre ich Oma München zu Tante S. dann gehen wir zum Empfang zu den Grosseltern aus Hamburg, dann ist Tennis Weihnachtsfeier (nächste Liste: Essen mitbringen, Julklapp Geschenke nicht vergessen!) Sonntag ist Tannenbaum-Schlagen (danach Café bei Freunden: Kekse mitbringen, nicht vergessen!)

Apropos nicht vergessen, bei all den herrlich besinnlichen Programmpunkten habe ich neulich – wie ich dachte ein Kind vor der Schule vergessen. Ich fuhr mit meinen Kindern los, als ich merkte, dass ich eine mehr mitnehmen sollte. Also drehte ich auf der Autobahn wieder um, rief die Mutter an, um mich zu entschuldigen, dass ich ihr Kind vergessen hatte (keine Liste dafür gehabt!) und als ich schon fast wieder vor der Schule war, sagte mir die Mutter, dass ihr Kind nicht abgeholt werden müsste. Wo ich denn bloss meinen Kopf gerade hätte?

Ganz ehrlich? Ich weiss es nicht: Jedes Jahr zur Adventszeit verliere ich ihn – meinen Kopf und finde ihn kurz nach Neujahr wieder. Denn dann hat meine Tochter Geburtstag und ich muss mich höllisch beeilen, um nur ja nichts zu vergessen …. :-)))

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.