Paris, Paris, wir fahren nach Paris…Mit meinen Töchtern allein in der Stadt der Liebe …schön wars!

Tag 1

Wir sitzen endlich im Flieger. Meine erste Städtereise mit Kindern. Heimlich von meinen Töchtern mitgeschmuggelt: viel zu viele Glubschis, Süssigkeiten, Knete sogar ein Puzzle mit 500 Teilen finde ich in Victorias Rucksack. Ein Puzzle mit 500 Teilen in Paris? Nun – ich werde ausnahmsweise einmal nicht den Urlaub mit Meckern beginnen. Das habe ich mir vorgenommen und bin gespannt wie lange ich durchhalte.

Ankunft in Orly. Normalerweise der Flughafen für Inlandsflüge, für mich Premiere dort. Bisher bin ich immer in Charles de Gaulle angekommen, ein Riesen -Flughafen und mein persönlicher Horror. Orly erinnert mich an Hamburg, das ist gut. Wir nehmen ein Taxi, die Sonne scheint, der Taxifahrer sagt wir seien in etwa 20 Minuten da.

Soweit die Prognose. Eine Stunde später ist die Sonne untergegangen, meinen Kindern ist schlecht von diesen schrecklichen Duftbäumen, die sich Taxifarer immer in ihre Autos hängen, sie haben Hunger und ich habe es satt, dem Mann zum hundertsten Mal das Modell Deutschland zu erklären. Er: Algerier 2.Generation bewundert Frau Merkel, schimpft auf Einwanderer wundert sich warum wir so gut mit den Türken klarkommen und überhaupt ist es alles nur noch eine Frage der Zeit bis Marine Le Pen Präsidentin wird.

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, kommen wir an unserer Wohnung im Marais an. Erstmals haben wir ein Appartement über Airbnb angemietet. Gabriela aus Prag, die ganz sicher nicht die private Vermieterin dieser Wohnung ist, weiht mich in Tür-Codes, Schlüssel, Mülltonnen und anderes ein und geht wieder und da stehe ich mit 2 Kindern im dunklen Paris.

Das erste, was mir auffällt ist, dass eines der Kinderbetten nicht bezogen ist. Ich durchwühle alle Schränke, finde kein Laken. Aber worauf soll mein Kind heute Nacht schlafen? Ich rufe Gabrielas Handnummer an und meckere auf ihre Mailbox. Eine Stunde später ruft sie mich zurück und sagt, es täte ihr leid, aber man könne das leider erst morgen ändern. Ich bin sauer und lege auf.

Inzwischen ist es spät, die Kinder haben Hunger und ich brauche zumindest etwas Milch und Butter und Brot für morgen früh. Wir gehen also heraus in die dunkle Pariser Nacht auf der Suche nach ALLEM: Das Erste,was wir finden ist ein Karussell und da ich spüre wie erschöpft die Kinder sind erlaube ich erstmal 2 Runden „Manège“ und dann gehen wir einen Burger essen. Auf der Suche nach einem offenen Lebensmittelladen am Sonntag Abend erlaube ich mir danach jedes Mittel: Eine alte Frau, die mit einer Tüte und einem Baguette an der Ampel steht, wird von mir fast angesprungen vor Glück. Wo sie ihr Baguette gefunden habe und wo die Milch. Glücklicherweise hält sie mich nicht für verrückt, sondern offensichtlich für völlig normal und gibt mir wertvolle Tips. Irgendwann in dieser Nacht schlafen wir tatsächlich und haben einen frühstücksfähigen Kühlschrank und einen vollen Magen.

 

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Valentina findet es toll, dass wir Sonntag Abend noch einen geöffneten Laden gefunden haben


Tag 2.

Wir freuen uns dass es hell ist (irgendwie war es doch etwas gruselig so im Dunkeln in der Großstadt anzukommen) , kaufen noch etwas mehr ein und gehen erstmal entspannt durchs Marais, das alte jüdische Viertel. Mama wünscht sich einen Café am Place des Vosges, weil sie da einst frisch verliebt mit ihrem Mann sass. Die Kinder freuen sich, weil dort ein Spielplatz ist…

das war kurz VOR dem Unfall

das war kurz VOR dem Unfall

Soweit so gut. Keine 10 Minuten später hat es meine ältere Tochter geschafft so blöd vom Klettergerüst zu fallen, dass ich mich frage, ob unser Urlaub möglicherweise schon beendet ist. Ihr ist schwindlig und sie hat starke Kopfschmerzen, weil sie auf den Hinterkopf gefallen ist. Wir steuern die nächste Apotheke an, um ein Kühlpad zu kaufen. Überall stehen schwerbewaffnete Soldaten rum, Paris hat sich verändert seit Charlie Hebdo.

Mittags treffen wir 2 enge Freundinnen, die früher bei uns an der französischen Schule in Hamburg waren, zum Mittagessen. Valentina geht es wieder gut. Die Sonne scheint und ich erkläre den Kindern die wunderbar verrückte Konstruktion des Centre George Pompidou. Victoria denkt man könnte durch die grossen Rohren eventuell runterrutschen. Wofür sonst sollte man ein Gebäude sonst so bauen?

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Als wir abends nach einem ereignisreichen Tag nach Hause kommen, ist immer noch kein Laken auf dem Kinderbett. Meine Freundin nimmt mein Handy und ruft die Vermieterin an, um sie in bahnbrechend schnellem Pariserisch zusammenzufalten. 10 Minuten später ist unser Laken da. Die Dame schmeisst es mir aufs Bett, haucht mir 2 Küsschen auf die Wange, während sie in ihr Handy irgendwelche Befehle brüllt. Ich lerne: der Ton ist rau, je rauher desto schneller geht es hier…

Eigentlich wollten wir noch um die Ecke eine Pizza essen gehen aber das Girls-Team sagt, es reicht. Also gibt es Nudeln mit Butter und Bettchen!

Später am Abend versuche ich Tickets für den Eiffelturm zu bekommen und voila es gibt wieder welche – am 5. November. Mina weint und ich bin erstaunt und auch ein bisschen enttäuscht. War wohl naiv zu glauben man könnte so ein Bauwerk einfach besteigen…

Tag 3

Leider sind die Kinder immer viel zu früh wach, weil wir es einfach nicht gewohnt sind, dass es so laut sein kann. Über uns, neben uns, hinter uns, überall trappelt es wie eine Herde Antilopen. Mein Mann klärt mich auf: ein Franzose zieht seine Schuhe NIEMALS aus. Das merken wir auch die folgenden Tage. Bis 2 Uhr morgens stöckelt die Dame über uns durch die Gegend. Morgens wird gesaugt, mittags gerumpelt..abends wieder gestöckelt…

Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir an diesem Tag los. Kaum sind wir in der U Bahn, stellt Vic fest, dass ihr Rock nicht passt und ihre Strumpfhose rutscht. Umkehren zwecklos, Aussitzen auch zwecklos. Wenn meine kleine Tochter erstmal etwas stört dann wird es in Sekunden zum Tick. Sie zieht und zerrt zwischen ihren Beinen rum, ich schäme mich und reisse ihr schliesslich – vorm Louvre angekommen – die Strumpfhose runter. Besser bei 15 Grad frieren, als weiter sämtliche Pariser glauben zu lassen, dass mein Kind schlecht erzogen ist. Ich google H &M und Zara, um eine passende Strumpfhose zu finden und habe Pech: nichts ist in der Nähe. Am Ende bekommt sie die teuerste Strumpfhose ihres Lebens und einen Lolli von der reizenden Verkäuferin. Sie ist sehr zufrieden, ich weniger. Aber Hauptsache wir können nun endlich Richtung Louvre…

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Nachdem wir die Pyramide ausgiebig bestaunt haben (die Kinder fanden sie vor allem so toll, weil sich an dem Tag 2 Menschen dort oben abseilten 🙂 machen wir eine kurze Pause in den Jardin des Tuileries. Ein guter Ort mit Kindern, die Sonne scheint. Wieder gibt es ein Karussell und jede Menge Spielplätze. Die Mona Lisa muss heute noch einmal warten. Meine Töchter und ich geniessen die Sonne und das Leben!

An diesem Tag schwelgen wir zwischen Macarons, kleinen Cafés und Strassenmusikanten, die Mädchen strahlen und ich strahle mit. Paris ist ansteckend schön. Valentina entdeckt ihre Schwäche für Eiffeltürme in allen Farben und möchte das gesamte Geld, das ihr ihre Grosseltern zugesteckt haben nur dafür ausgeben. Schwer sie davon abzuhalten, aber ich beschliesse ein Eiffelturm Limit.

das waren die ersten 2 von vielen weiteren Türmen

das waren die ersten 2 von vielen weiteren Türmen

Tag 4:

Ich wache auf und stelle als erstes fest: das Wasser ist abgestellt. Mir fällt ein gestern irgendwie ein Schild am Hauseingang wahrgenommen zu haben. Aber stand da nicht ab 10 Uhr? Tja wer französische Lässigkeit mag muss sich eben mit sowas auch abfinden. Ich beschliesse cool zu bleiben und wasche mein Gesicht mit Mineralwasser. Geduscht habe ich zum Glück gestern Abend…Die Kinder sind begeistert. Paris gefällt ihnen immer besser. Nicht einmal waschen muss man sich hier.

Heute geht es Richtung Eiffelturm. Auch wenn wir nicht hochkommen, wollen wir doch zumindest darunterstehen. Wir nehmen die Metro und den RER (2 stöckige Züge, die Kinder sind begeistert!) und dann sind wir da: Auch 30 Jahre nach meinem ersten Paris Besuch bin ich wieder fassungslos vor der Schönheit dieses Bauwerks, den Kindern geht es ähnlich. Soo gross! Das hatten sie nicht erwartet.

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Vor dem Eiffelturm fahren die Bateaux Parisiens zu ihren Seinefahrten los. Wir wollen das heute auch machen und steigen ein. Keine 20 Minuten später hat Victoria sich ihr Wasser über die Strumpfhose gegossen. Ausziehen ist heute zwecklos, es nieselt und ist kalt. Wir beenden also die eigentlich wunderschöne Seine-fahrt leicht genervt und steuern diesmal die „Grands Magasins“(Kaufhäuser) an. Immerhin komme ich so dazu den Mädchen die fabelhafte Kuppel der Galerie Lafayette zu zeigen. Dort weihnachtet es schon sehr (was ich im Oktober unmöglich finde und die Kleinen natürlich toll) und so reden wir über den Weihnachtsmann, Wunschlisten und mehr und die nasse Strumpfhose ist schnell vergessen.

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Im Musee Grevin, ein paar hundert Meter weiter steht an diesem Tag eine Halloween Ausstellung auf dem Tagesordnungspunkt. Meine Freundin Rosiane verspricht uns, das wird super. Super wird zunächst mal, dass ich alleine mit den Kindern 40 Minuten in einer Schlange stehe, weil Pariserinnen offenbar immer zu spät kommen und Schlangen etwas ganz normales sind. Als sie mit den Kindern endlich eintrifft ist sie leicht irritiert, warum mein Gesichtsausdruck so unendlich genervt ist. „Ist doch alles super!“ Ich habe die Tickets und wir können loslegen. Deutschland trifft auf Frankreich, ich reisse mich zusammen und lächele..

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Danach sind die Kinder gruselig müde und wir steuern eine Creperie an und den nächsten Park. Ach ja die Parks…Überall in der Stadt gibt es sie. Kleine Ecken, inmitten von Plätzen oder Häusern. Sie sind sauber, schön, bepflanzte Oasen des Friedens – ganz wunderbar. Wer da sagt Paris sei nicht kinderfreundlich irrt. Meine Kinder finden: es ist das Paradies.

Tag 5

Die Kinder rebellieren. Eigentlich wollten wir heute endlich die Mona Lisa gucken, aber sie wollen nicht mehr, sie wollen eine Pause. Ich akzeptiere und stelle fest ich bin selber total kaputt. Wir bleiben bis Mittags in unserer kleinen Wohnung und ich trinke Café, lese Zeitung und die Kinder spielen im Pyjama. Airbnb sei Dank, im Hotel wäre das jetzt schwierig geworden.

Mittags gehen wir raus und schlendern in aller Langsamkeit über die Ile St Louis. Die Kinder sind begeistert von den Strassenmusikern und Künstlern und finden gleich neben Notre Dame neue Freunde auf dem Spielplatz. Ich sinniere über den wunderbaren Nebel, der über der Kathedrale liegt und geniesse die Ruhe..

Überhaupt haben wir an Tag 5 unseren Rhythmus gefunden. Wir kaufen ein paar Mitbringsel ein, schreiben eine Karte, ich esse eine fantastische Tarte Tatin und fühle mich allmählich wie eine echte Pariserin. Der Bäcker begrüsst mich freundlich, die Frau im Supermarkt nebenan schenkt meinen Töchtern Lollis. Sind wir wirklich Touristen?

Tag 6

Ein Virus rafft uns alle darnieder. Ausgerechnet an dem Tag, an dem mein Mann ankommt, liegen wir mit Fieber im Bett. Verrückt!

Die letzten 2 Tagen fliessen so schön dahin wie die ersten…Wir erholen uns schnell, die Sonne scheint, wir sind bei Freunden eingeladen und meine Kinder erklären, sie ziehen später einmal nach Paris. Ich finde das ist eine sehr gute Idee und hoffe sie haben dann auch für ihre Mutter ein Gästezimmer. Wir hatten die schönsten Herbstferien unseres Lebens und die Sache mit AIRBNB lässt sich wiederholen. Nie wieder Hotel mit Kindern…

Was für ein Prachtwetter

Was für ein Prachtwetter

Kleiner Nachtrag…Heute morgen (erster Schultag nach den Ferien) haben wir natürlich erst einmal ganz schlimm verschlafen. Passiert uns sonst eigentlich nie, aber was soll. Wir sind jetzt Pariserinnen. Die kommen doch auch immer eine halbe Stunde zu spät, oder?

 

 

 

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