Über die Kunst nicht perfekt zu sein (oder es gar werden zu wollen) – in einer Welt voller Super-Moms

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Meine Kinder finden, dass ich eine super Mutter bin, also selbstverständlich vor allem dann, wenn ich Kika, Eis und andere Freuden erlaube und immer vorausgesetzt, dass ich keine allzu schlechte Laune habe, rumschreie, Verbote ausspreche oder gar das Taschengeld streiche. Im Grossen und Ganzen sind wir eine sehr zufriedene, herrlich unperfekte Familie.

Das einzige was meine Mutter-Schwingungen immer wieder durcheinander bringt, sind andere Mütter. Ja, richtig! Die anderen. Manchmal kommt es mir vor wie in diesem EDEKA Werbespot von Friedrich Liechtenstein.

„Super Mutter, super Kind, super Haus, super geil. Super Vater, super Auto, super Beziehung, total geil.“ Es sind diese Frauen bei denen angeblich alles läuft. Sie haben tolle Kinder, die nie meckern und nie krank sind. Fernsehen oder Videospiele wollen diese Kinder von sich aus nicht. Sie ziehen sich jeden Morgen die richtigen Klamotten an und würden NIE! Jogginghose oder quietschrosafarbene Hello Kitty Pullover tragen. Ihre Ehemänner sind ja „soooo süss“ und lassen nie einen Blumenstrauss ausfallen und eigentlich ist ihre Paarbeziehung „wie am ersten Tag“. Wer lässt sich denn schon von Kindern das Leben ruinieren, geschweige denn durcheinander wirbeln?

Irgendjemand hat in den vergangenen 10 Jahren eine Generation Zombie-Mütter hervorgebracht, die es nicht wagen die Norm zu verlassen, Schwäche einzugestehen oder ohne Ratgeber ihre Kinder zu erziehen. Es muss einfach perfekt laufen. Wenn nicht, wird ein Psychologe, Ergotherapeut, Logopäde oder andere Helfer kontaktiert.

Grundsätzlich wären mir diese Sorte Roboter Frauen ja völlig egal, aber sie lassen einen ja auch nicht wirklich in Ruhe. Vom ersten Tag an, zweifeln sie an deinem Baby ( „was es schläft nicht durch? Geh mal in dich, was du so in der Schwangerschaft gefühlt hast? Wolltest du es vielleicht gar nicht“), an deinem Mann („du ich finde der B. sollte sich aber nicht in das Stillen einmischen, sonst vielleicht einfach mal zum Paartherapeuten?“) und später an deinem Kind („sie ist ja schon sehr unruhig, vielleicht doch mal auf ADHS testen?“)

Das führt dazu, dass ich „neue “ Frauen in meinem Leben inzwischen erstmal auf Negativ Emotionen teste. Ich treffe sie und erzähle ihnen so viele Geschichten über unser Chaoten Leben, bis ich einschätzen kann, ob sie selber etwas zugeben und lachen können, oder ob sie mit empörter Miene feststellen, dass man mit Leuten wie mir besser nichts zu tun haben will.

Mein kleiner Freundeskreis jedenfalls beherrscht die Kunst des schönen Scheiterns. Wenn’s nicht läuft, läuft es eben nicht. Dann schlafen die Kinder bei uns im Bett, sind 3 mal im Monat krank, die Nachbarn kriegen Ehestreitigkeiten mit und wir sind doch alle halbwegs glücklich. Hauptsache ich muss keine Perfekt-Mom werden. Und wenn ich bei meinen Kindern unterm Bett alte Milchschnitten finde, weiss ich: Vergammelte Lebensmittel unter Kinderbetten gab es immer schon und wird es immer geben, daran ändert auch einige Ratgeber mehr nichts.

 

 

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