Ein Wochenende mit französischen Teenagern oder wie ich das Warten, Warten, Warten lernte

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Wenn mein Mann eine Idee hat, dann heisst es fix sein: seine Ideen kommen plötzlich, schnell und unerwartet und ehe man sich versieht, wird das Haus umgebaut, das Ferienziel geändert oder …man hat das Haus voller Teenager..Ein Nein war an so einer Stelle noch nie möglich und da ich generell der Meinung bin, dass ich mir von ihm in Sachen Gastfreundlichkeit noch eine Scheibe abschneiden kann, ziehe ich meistens ohne allzu grosses Zicken mit.

Dieses Mal hatte er die beiden älteren Töchter seiner besten Freunde aus Paris und Biarritz eingeladen und anstatt das erste Ferienwochenende also gemütlich auf dem Sofa zu verbringen rüsteten wir uns für all das, was eine 14 und eine 16 jährige toll finden könnten.

Kaum am Samstag angekommen hiess das ab in die Stadt: Europapassage, Mekka der Teenie-shopper und Alptraum für Kinder unter 8. Meine Mädchen waren nach 30 Minuten so kaputt, dass wir den Grossen 1 Stunde Shoppingfrei (oder sollte man besser Shoppingvoll sagen?) gaben und mit unseren Mäusen in die Karstadt Spielzeugabteilung pilgerten. Danach historischer Alsterdampfer, eine Aktion, die altersmässig glücklicherweise kompatibel war für GROSS UND KLEIN. Soweit der erste Tag.

Am Sonntag stand Victoria gutgelaunt und aufgeregt um 7 auf der Matte um ihre neuen Freundinnen zu begrüssen und dann begann das Warten:

8 Uhr: grosse Stille im Gästebereich

9 Uhr: immer noch grosse Stille. Wir trauen uns nicht durch die Gegend zu laufen, um sie nicht zu wecken. (wer es doch tut, wird heftigst vom Chef zurechtgewiesen)

10 Uhr: meine Kinder mosern, sie haben Hunger. Der gastfreundliche Papa sagt. WARTEN!

11 Uhr: wir gehen zum Bäcker, es könnte ja sein, dass sie irgendwann aufstehen…

11 Uhr 45: sie sind da. Leichte Verzweiflung in meinem Mama-Plan-Gehirn, da ich weiss, dass wir um 13 Uhr schon einen Tisch für das Mittagessen bestellt haben. Wie nur bitte machen das Familien mit älteren und jüngeren Kindern? Zerren sie die Älteren um 9 aus dem Bett oder bekommen sie einfach kein Frühstück und NUR Mittagessen? Fragen, die ich mir stelle während mich das Warten fast wahnsinnig macht.

Nach einem Frühstück und einer ausgiebigen Duschsession sind sie endlich soweit und wir fahren los in die Hafencity. Meine Kinder schreien vor Begeisterung auf. Der Hafen-cityspielplatz ist ja nun wirklich das Schönste, ach was sag ich das ALLERALLERSCHÖNSTE. Leider haben sie diese Rechnung ohne ihren Vater gemacht. Während eines ausgiebigen Spaziergangs durch den Hafen ignoriert er stoisch die Rufe seiner Kleinen nach Essen, Spielplätzen oder sonstigem und ich beneide ihn wieder und wieder um seine Prioritäten. Die Gäste sind die Könige, seine Mädchen zwar Prinzessinnen, aber das muss warten.

Glücklicherweise haben wir für ihn und die Teenager Plätze bei Hamburg Dungeon gebucht, so dass unsere Minis eine Pause gegönnt wird. Gruseln ist nichts für Valentina und Victoria, also machen wir zu Hause lieber einen Puzzle Marathon.

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Abends geht es dann nochmal zum Essen und während sich die Pubertiere warm laufen, hängen mein Mann und ich müde wie ausgewrungene Waschlappen auf dem Sofa.

Der Montag Morgen beginnt wie der Sonntag. Wir warten und warten. Glücklicherweise habe ich den Kleinen einen Ferienkurs gebucht, so dass sie dieses Mal tatsächlich frühstücken und schon lange weg sind, als sich die müden Mädchen erheben. Ich – inzwischen warmgelaufen in meiner Rolle als französisch sprechender Chauffeur- rolle Richtung Innenstadt. Ohne H &M geht es natürlich nicht. Also lasse ich sie wieder einmal alleine, damit sie das ausgiebig geniessen können. Während sie shoppen, rase ich Richtung Hafen, um Tickets für eine Barkassen Fahrt zu bekommen, stelle fest, dass die letzte schon um 5 ist, rase zu meinen Kindern, um sie im Ferienkurs abzuholen und staue mich zurück Richtung City, um die Teenies zur Hafenrundfahrt zu bringen. Ich frage mich ganz allmählich, ob die Autoindustrie nicht für solche Mütter eine ganz eigene Form von Auto entwerfen sollte. Eines mit Massagefunktion, Kühlschrank, Fernseher, Ticketbuchungen…Ich träume weiter und stelle fest, dass die sündhaft teuren Hafenrundfahrttickets gerade im Stau verfallen. Völlig am Ende sammele ich die Mädchen ein, die – bestens erholt vom Shoppen- nun gerne was erleben würden. Mein Energielevel liegt bei 0, ihrer bei 180. Der Tag kann gegen 17 Uhr 30 so richtig beginnen…

Weil ich mal nicht so sein will und mein gastfreundlicher Mann, der inzwischen abgereist ist, sich nicht für mich schämen soll, führe ich sie noch in die tanzenden Türme aus. Toller Blick über den ganzen Hafen, eine Speisekarte, die nur aus Steaks besteht und ums herum Geschäftsmänner, die sich fragen warum Muddi mit ihren 4 Kindern nicht lieber zu Mc Donald geht. Ich beschliesse das ganze mit Würde zu ertragen und erlaube Selfies, Selfies und Selfies und während 4 Kinder am Tisch mit Ipads und Handys beschäftigt sind schalte ich ab und vergesse meine Erziehungsansätze, um mich zu erholen.

Zu Hause angekommen bringe ich meine Kinder ins Bett und denke: FAST GESCHAFFT, aber nein, nun wollen sie noch die Queen Mary einlaufen sehen. Glücklicherweise ist die Tidenlage nicht ganz klar und ich komme noch einmal haarscharf aus der Nummer raus während ich erschöpft ins Bett torkele und die beiden mit der WII U alleinelasse.

Am nächsten Mittag ist Abreise nach Paris: Die Mädchen glücklich, ich glücklich. Die Kleinen unglücklich. Sie fanden dieses ungeordnete Restaurant-Bar Leben ganz toll und die Mädchen noch viel toller.

Ich für meinen Teil resümiere: es waren trotz allem schöne Tage und für das nächste Mal weiss ich: ich frühstücke, wann ich will. Ich trample auch herum, wie ich will, denn Teenager schlafen auch, wenn nebenan ein Erdbeben stattfindet. Shoppen und Handys sind das Wichtigste und offenbar war ich gar nicht so uncool, denn während ihre Eltern KEINEN Zugriff auf ihren Instagram Account haben wurde ich als Ehrenmitglied zugelassen :-))

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