Wieviel Selbständigkeit halte ich aus? Über das Pro und Contra mein Kind loszulassen

Eines muss ja direkt einmal vorweggeschickt werden. Seitdem Valentina ganze Sätze bilden kann, spricht sie davon auszuziehen. Die tägliche Fragenblase lautet: Wann kann ich eine eigene Wohnung haben, wann darf ich meinen Führerschein machen, wann lerne ich den Mann kennen, den ich heirate? Einige werden sich jetzt sicherlich fragen, ob ich mein Kind seit Geburt gequält habe, um es soweit zu bringen. Die Antwort lautet: ÜBERHAUPT NICHT! Valentina war schon immer so und damit meine ich auch IMMER. Sie war kein Kuschelkind (Mami, ein bisschen kuscheln, aber bitte nicht zu eng), kein Stillkind (kaum hatte sie die Flasche wollte sie nur noch die. Klar damit kann man ja Menge und Geschwindigkeit herrlich selbst bestimmen), manchmal überhaupt kein richtiges Kind (wann bin ich endlich erwachsen fragt sie mich seit beinahe 5 Jahren)

Jetzt mit 7 1/2 gehen mir zum ersten Mal die Argumente aus, sie an meiner kurzen Leine zu halten. Seit dem Umzug wohnen wir in einer Strasse an deren Ende ein Kiosk ist. Valentinas Schönstes ist es nun alleine Ausflüge zum Kiosk zu machen. Niemand darf mit, auch nicht die kleine Schwester denn das würde ja dieses wohlige Gefühl zerstören, dass sie ganz ALLEINE! einkaufen geht (zu meinem Unglück gibts da nur Zeitungen und Süssigkeiten, ich habe also nicht all zu viel davon).

Ein wenig weiter befindet sich ein Spielplatz. Seitdem Valentina mitbekommen hat, dass ein paar Kinder (ältere natürlich) da schon alleine hindürfen, löchert sie mich mit ihren Bitten auch alleine zum Spielplatz zu dürfen. Wie gerne würde ich leichten Herzens ja sagen. Aber wie soll ich ihr bloss erklären, dass ich die Hosen seit dem Verschwinden des kleinen Elias vor seiner eigenen Haustür so dermassen voll habe, dass ich es nicht riskieren will?

Neulich tat ich so als ob ich ausnahmsweise einmal grosszügig wäre. Ich gestattete ihr zum Spielplatz zu radeln, aber nur unter der Bedingung, dass sie immer zusammen mit ihrer Schwester und ihrer älteren Freundin L. bliebe. Freudestrahlend verliess sie das Haus mit geradem Rücken und stolzer Miene. Weniger stolz konnte ihre Mutter sein, die keine 5 Minuten später mit Sonnenbrille und James Bond Gesicht das Haus verliess, um ihre geliebte Familie zu beschatten. Erst schlich ich mich zu Fleischer, um mir ein Alibi zu besorgen („oh wisst ihr Kinder, ich kam zufällig am Spielplatz vorbei, weil ich dringend noch etwas fürs Abendessen kaufen musste“) und dann näherte ich mich der Spielplatz Wiese, um zu sehen, ob es allen gut ging.

Und was sage ich? Valentina war weg. W-E-G. Diese Worte muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Sie hatte den kleinsten Anlass genutzt, um sich von der Gruppe zu trennen (L. war in einen Hundehaufen getreten und berichtete mir Valentina sei wie von der Tarantel gestochen auf ihr Fahrrad gesprungen, um angeblich Hilfe in Form von Feuchtigkeitstüchern zu holen), Und natürlich ging es wieder einmal nur darum: Ich kann es ALLEIN!

Ich verabschiedete mich von der nach Hunde…..stinkenden L., packte Victoria und rannte nach Hause. Auf halbem Weg kam uns schon Valentina entgegen, die natürlich wie stets etwa 100 Ausreden parat hatte. Das Ergebnis: das Thema  Selbstständigkeit liegt erstmal auf Eis. Ich bin sauer, sie ist sauer. Kika ist auch sauer, denn es gab Fernsehverbot.

Übrigens versucht auch die kleine Schwester manchmal selbständig zu sein, leider immer an falscher Stelle. Beide Mädchen wissen, sie dürfen NIE jemandem Fremden die Tür öffnen, wenn ich nicht in der Nähe bin. Neulich (noch in den Ferien) schlief ich etwas länger..Als ich aufwachte, schaute ich aus dem Fenster und sah unten unseren Elektriker, der sich für den Morgen angekündigt hatte. Siedend heiss fiel mir ein, dass er wahrscheinlich reingewollt hätte. Und genau so war es auch. Herr E. berichtete, er habe geklingelt und meine kleine Tochter hätte ihm die Tür geöffnet. Auf die Frage nach mir sagte sie: da müsse er sich gedulden. Ihre Mama schliefe noch und sie würde sie auf gar keinen Fall wecken, das gäbe nur Unglück und viel schlechte Laune und das wolle sie nicht. Herr E. wurde also in eine verfrühte Frühstückspause geschickt und ich wusste nicht, soll ich mit Victoria schimpfen, weil sie die Tür aufgemacht hatte oder lieber lachen, weil sie meinen Schlaf verteidigt hatte, wie ich selbst es nicht besser gekonnt hätte.

 

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