Über die deutsche Einheit, den Fall der Mauer und andere schwierige Kinderfragen

DBP_1990_1477_Deutsche_EinheitGestern kam meine 2.Klässlerin von der Schule und fragte noch im Auto: Mama erkläre mir doch mal alles über die Mauer. Ich guckte sie fragend an und versuchte herauszufinden, was sie meinte – denn mal ganz ehrlich – dass 7-jährige über den Fall der Mauer reden wollen ist doch relativ selten, oder? Ich fragte sie also, um was es ginge …die chinesische oder eine andere …oder wurde vielleicht an der Schule eine neue gebaut? Allein der Blick meiner Tochter hätte gereicht, um mich auf der Stelle zu töten. Natürlich ging es um die deutsche Einheit, über die sie heute lang und ausführlich gesprochen hatten. Hausaufgabe sei nun, dass was Madame la Maitresse nicht beendet hatte, zu Hause zu erklären: Also beinahe alles. Merci!

Bevor ich jetzt auf mein absolutes Scheitern im Erklären eines antikapitalistischen Schutzwalls komme, frage ich EUCH: Wie erklärt man bitte einer 7 jährigen, was schon jahrzehntelang Erwachsene nicht verstehen konnten? Eine Mauer, die sich durch ein Land, eine Hauptstadt, durch Seen und Berge zog? Und alles nur, um den Kapitalismus vom Kommunismus zu trennen?

Da Victoria noch mit im Auto sass versuchte ich erstmal zu erklären, dass Deutschland und explizit Berlin nach dem 2.Weltkrieg wie eine Torte aufgeteilt wurde und dass all diese Länder sich nun Deutschland und vor allem Berlin teilten. Dass Russland und Amerika sich trotzdem weiterhin nicht mochten und viele Menschen in der russischen Zone es vorzogen in die anderen Zonen zu ziehen, weil es da schöner war (man möge mir diese trivialen Erklärungen verzeihen…)

Als Victoria später spielte, guckte ich mit Valentina Videos im Internet. Über den Bau der Mauer und auch über den 9.November 1989. Es war ein relativ bewegender Nachmittag, denn während ich mit den Tränen kämpfte (immer immer wieder, wenn ich diese Bilder sehe) fragte Valentina so trockene Dinge ab wie: dieser Schabowski sieht ja blöd aus. Wusste er denn was er da gesagt hat? Warum weinen die Menschen alle? Wollte Opa Reiner (aufgewachsen in der DDR) auch fliehen? Wie konnte er Oma kennenlernen, wenn er doch Russisch sprach? Sind alle Russen böse – auch meine Klavierlehrerin? Der Panik-schweiss stand mir auf der Stirn. Das Ganze wurde immer komplizierter. Irgendwann sagte ich ihr, nun sei ja alles gut. Deutschland sei wieder ein Land und wir gedenken eben all dieser Geschichten am 3. Oktober.

In dieser Sekunde platzte Victoria herein und fragte, was wir da machen. Meine historisch deutlich erwachsenere Tochter Valentina sagte, „Mama und ich mussten einmal über den Fall der Mauer sprechen“.

Victoria guckte uns an und setzte Prioritäten: „Fall der Mauer? Dass was du im Auto erklärt hast, mit den Tortenstücken? Grossartig! Dann gibt es jetzt Kuchen, richtig?

Soweit mein Nachmittag zum Mauerfall. Fortsetzung folgt.

 

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