Wir träumten davon Müllmann oder Krankenschwester zu werden – warum wollen alle Kinder heute nur noch Popstars werden??

Gestern auf dem Weg nach Hause. Meine kleine Tochter fragt mich, ob sie sich die Haare wachsen lassen darf. Klar, sage ich, kein Problem. Ich finde sie zwar kurz hübscher, aber das muss man ja nicht sofort diskutieren. „Wäre es auch ok, wenn ich sie mir schwarz färben würde?“, fährt sie fort..

Mein Atem stockt. „Schwaaaaaaaarz? Wieso das denn?Du bist 5, hast entzückende blonde Haare, warum schwarz?“

„Weisst du Mama, sagt Victoria, erstens möchte ich kein Dumm-ding (chinesisches Witzwort für Blondine) mehr sein und zweitens sehen alle Popstars so aus. Man muss sehr lange Haare haben, am besten dunkel.

An dieser Stelle mischt sich Valentina ein. „Mama, ich möchte auch Popstar werden, wann darf ich das erste Mal bei „The Voice Kids“ dabei sein…? Ich erkläre ihr, dass sie dafür aber noch sehr viel üben müsste und ernte eine gekränkte Miene. War das ein Fehler? Bin ich zu ehrlich? Muss man diesen armen Kindern heute nicht irgendwie endlich mal den Zahn ziehen, was das Thema Modeln und Popstar sein betrifft? ICH WILL NICHT, dass meine Kinder sich an solchen Vorbildern orientieren. Warum nicht an dem Märchen mit den Sterntalern oder an St. Martin, der seinen Mantel teilt? Warum an so blödsinnigen, hirnrissigen Stars, die sich durch Diäten und Scheidungen hervortun. Wir träumten früher davon an einem Müllwagen zu hängen oder Feuer zu löschen und heute? Wollen alle nur schnell reich und berühmt werden.

Während  ich noch vor mich hingrummele kommt Taylor Swift im Radio. Victoria singt den kompletten Text mit. David Guetta, Taylor Swift, Rihanna, sie kennt sie alle. Mit 5! Da hatte ich meine erste „Mozart für Kinder“ CD.

Als ob meine Töchter Gedanken lesen könnten sagen sie beide, „ist ja schon gut Mami, gleich darfst du wieder NDR Kultur hören, wenn wir in der Schule sind.“ Oh Gott, der Tag könnte nicht schlimmer sein. Ist es das, was ich für meine Kinder bin? Eine hoffnungslos rückschrittige, alternde Mutter? Ich möchte ihnen erzählen, dass ich mit 15 auch mal gemodelt habe (für Mädchen und Pop Rocky, ohjeeeee) und dass es keinen Spass macht auf sein Aussehen reduziert zu werden, aber ich schweige lieber.

Nichts hat sich verändert, denke ich. Jede Generation denkt, dass die vorherige von NICHTS eine Ahnung hat. Nun bin ich also die, die nichts weiss. Meine Kinder werden dem Gesetz der Statistik zu Folge trotzdem keine Popstars werden. Zumindest das lässt mich Lächeln. Und was sie am Ende werden habe ich ohnehin nicht unter Kontrolle.

 

 

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