Mit Lesebrille durch den Supermarkt – unser Leben hat sich verändert…

Lebensmittel-Zutaten-Inhaltsstoffe

Früher betrat ich um 9 Uhr Morgens den Supermarkt und um 9 Uhr 15 verliess ich ihn wieder.

Heute betrete ich den Laden meiner Wahl (mit möglichst viel Allergieprodukten) und bleibe lange. Eigentlich schade, dass es noch nicht solche „shop in shop“ Systeme gibt, wo arme allergiegeplagte Mamis zwischendurch einen Latte Macciato gegen frühzeitige Erblindung bekommen. Die Sache ist nämlich die: fängt man einmal an die Inhaltsstoffe der Produkte zu lesen, die man bisher leichthin gekauft hat, steht einem das Grauen im Gesicht. Die ersten Male nach der Diagnose „Weizen und tierische Milch Allergie“ suchte ich vor allem nach dem Wort Weizen im Kleingedruckten. Das ist meistens „fett“ geschrieben, also auch für über 40-jährige gerade noch lesbar. Das Problem ist es gibt noch ca.20 Unterkategorien von Stoffen, in denen sich Weizen versteckt und die sind ohne Brille nicht lesbar. Also betrat ich irgendwann im Januar meinen Supermarkt, die Lesebrille steckte bereits im Haar und dann……? Kam ich Stunden nicht mehr raus. Es war wie eine Offenbarung für das „Nicht mehr essen von Produkten“. Wundern wir uns wirklich noch, dass wir eine Gesellschaft von Allergikern sind? Und nein ich glaube nicht, dass an allem diese bösen Kaiserschnitt Muttis, wie ich eine bin, schuld sind. Die einfachsten Produkte, also beispielsweise der schöne Butterkeks, in dem ich Butter, Mehl, Milch und Zucker vermutete, haben eine Liste an Zusatzstoffen, Farbstoffen, Emulgatoren, Konservierungsmitteln, das einem schlecht wird. Ich verbiete meinen Kindern Süssigkeiten nicht. Ich habe nie viel von diesen Verboten gehalten, die Kinder zu kleinen Monstern machen, die auf dem nächsten Kindergeburtstag alles fressen, was bei 3 nicht von der Theke genommen wurde. Aber nun? Bin ich ratlos. Gummibärchen, Schokokekse, Schaumküsse, alles verseucht!!!! Selbst einfache Dosenerbsen, Maultaschen, Chicken Mc Nuggets (sehr, sehr eklig die Liste der Stoffe, die hier NICHTS mit Huhn zu tun haben). Am Ende verlasse ich den Supermarkt zutiefst deprimiert und ratlos wie unsere Essengeschichte weitergehen soll.

Am Anfang gab es vermehrt Kamut Spagetti mit frischen Tomaten, dann nach und nach sagte ich mir, wenn mein neuer Job nicht in Zukunft Ernährungsexpertin heissen soll und meine Zweitwohnung bei Edeka ist, muss ich mich entspannen.

Also gab es auch wieder Erbsen aus der Dose und Maultaschen in Plastikhülle. Und natürlich Gummibärchen E 130, E 145, E 178, E 678, E 346357658973059086985908790……..

Aber wohl ist mir nicht mehr dabei. Die Allergie hat uns verändert. Was die Bio-Mamis, wie ich sie gehässig in meiner Babyzeit genannt habe, nicht geschafft haben, hat die Allergie nun geschafft. Wenn es irgendwie geht gehe ich nur noch zu meinem Obst und Gemüsehändler an der Ecke und zum Fleischer 2 Meter links davon. Ich vermeide Verpackungen und will wissen, wo unsere Produkte herkommen. Eine Zeit-und definitiv Geld aufwändigere Geschichte, aber ich hoffe es lohnt sich.

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