Der perfekte Sonntag – oder wie ein Tag besser nicht laufen sollte…

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Neulich wachte ich auf und es war der perfekte Sonntag. Das Wetter war schön, wir hatten alle ausgeschlafen. Die Kinder spielten Playmobil, mein Mann arbeitete vor sich hin und ich träumte über meiner Lieblingsteetasse vom süssen Sinn des Nichtstuns.

Leider sind wir Erwachsenen ja so gestrickt, dass wir – immer wenn es am Schönsten ist – meinen man könnte es mit etwas Aktivität noch schöner machen. Man muss sich das mal vorstellen. 4 Personen sind absolut zufrieden und dann..??Stoppt man das, um etwas anderes zu machen.

Mein Mann hatte den netten Einfall eine kurze Radtour zu machen. Kurz heisst für mich als Mutter 2-er kleiner Kinder etwa 10 Minuten Radfahren mit dem Ziel eine Eisdiele aufzusuchen. Kurz heisst für meinen Mann 8 Kilometer Radfahren, allerdings auch nicht ohne ein Eis am Schluss.

So machten wir uns also auf den Weg eine männlich gesehen kurze Radtour von 8 Kilometern zu machen. Ich muss gestehen mein Laune war schon zu Beginn nicht perfekt, weil unsere kleinere Tochter sich bislang nicht gerade durch hervorragende Radfahrkünste hervorgetan hat. Victoria fährt so Rad, dass ich gemächlich neben ihr Spazierengehen kann. Ein Meter Radeln, dann anhalten, ein weiterer Meter Radeln und wieder anhalten. Ihr Motto: Gefahren lauern überall, man muss sie erkennen und anpacken und das kann man am besten, wenn man wachsam bleibt und auf beiden Füssen steht. Wir waren also noch nicht einmal im nahen Park angekommen, da hatte ich schon die Lust verloren. Meine grosse Tochter schimpfte laut, sie hätte es satt mit einem Baby Radzufahren, sie wolle einmal richtig schnell fahren und nicht kriechen. Mein Mann verteilte derweil Radpositionen . „So nun darf die Mama mal vorne sein, Victoria in der Mitte und wir machen den Schluss…“Zwischendurch verschickte ich aus Langeweile SMSen und….verlor dabei leider meine EC Karte, die lose in meiner Jackentasche gesteckt hatte. Wir waren also schon bei Kilometer 3 als mir auffiel, dass ich keine Bankkarte mehr hatte und umdrehen wollte. Ich liess meinen Mann mit meinen Töchtern alleine und drehte um, um sie zu suchen. Verabredeter Treffpunkt, die Eisdiele. Als ich fast schon zu Hause war (ohne die Karte gefunden zu haben) rief mich mein verzweifelter Mann an. Es sei das Grauen. Tochter Klein wolle nicht mehr weiter, weil sie sich wehgetan hatte und Tochter Gross habe ihr Rad ins Gebüsch geworfen, weil sie es satt hätte eine „Rad-kriech-tour“ zu machen.

Ich versprach so schnell wie möglich zur Hilfe zu eilen. Nebenbei versuchte ich meine EC-Karte zu sperren und übersah dabei leider das nette Polizistenpaar, was mich darauf hinwies, dass mich das satt Geld kosten würde („Wissen Sie etwa nicht, dass man auf dem Fahrrad nicht mit dem Handy telefonieren darf?“). Noch während ich verhandelte rief mich mein Mann erneut an. Die Situation sei jetzt eskaliert, ich solle bitte wieder umkehren ( sagt er mir 200 Meter VOR der Eisdiele) und das Auto holen, um die Räder einzuladen. Die Polizisten hatten Mitleid und ich hatte auch Mitleid mit mir. Keuchend kam ich 20 Minuten später zu Hause an, nahm mein Auto und fuhr zur Eisdiele. Dort sprach keiner mit keinem mehr. Glücklicherweise hatte mein Gatte mir zumindest ein Spagettieis bestellt und da ich schon so viele Katastrophen-tage mit Kindern hinter mir hatte, beschloss ich das Eis zu essen, es konnte ja nichts dafür.

Danach lud ich Tochter Klein ins Auto (die beiden anderen hatten beschlossen mal richtig Radzufahren) und durfte eisige Stille ertragen. Victoria sprach nicht mehr mit mir. O-Ton: IHR SEID ALLE NICHT MEHR MEINE FAMILIE. Also fuhr ich nach Hause, schleifte sie gegen ihren Willen ins Haus (sie wollte im Garten übernachten), trug das Fahrrad in den Keller und hoffte, dass nun Ruhe einkehren würde. Mein erster Weg ging ins Dach, eine gemütliche Jogginghose holen, dicke Socken, Schlunzlook hilft gegen Verspannungen. Kaum war ich oben klingelte es an der Tür. Wütend darüber, dass mein Mann offenbar auch noch seinen Schlüssel vergessen hatte öffnete ich schnaubend die Tür: Dort stand so ziemlich das Gegenteil von mir: eine perfekt angezogene, strahlend aussehende Schwiegermutter die in Sekundenschnelle erkannte, dass sich ihre Schwiegertochter in einen feuerspeienden Drachen verwandelt hatte und nach ein paar freundlichen und beruhigenden Worten das Weite suchte..(Sie waren um die Ecke von uns eingeladen. Und ich hatte schon befürchtet mein cholerisches Drachenhirn hätte einen wichtigen Familien-Termin vergessen :-((..)

Von oben ertönten weiter Victorias wütende Schreie aus ihrem Zimmer und ich fragte mich zum 100. Male, ob wir eine „normale“ Familie sind. Irgendwie endete der Tag noch halbwegs friedlich. Victoria entschuldigte sich bei allen, allerdings nicht ohne klarzustellen, dass Papa doch stark übertreibe, wenn er behaupten würde er hätte ihr Rad Kilometer weit schleppen müssen (Kommentar des Verfassers: hat er aber!). Bei mir entschuldigte sie sich auch („an irgendjemanden muss ich ja meine Wut auslassen Mama“) Ob ich so schnell wieder einen perfekten Sonntag mit Aktivität zerstöre muss ich mir gut überlegen. Erschöpft stellte ich den Wecker und freute mich, dass am nächsten Tag wieder Schule war.

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