Hilfe! – mein Kind hat einen Tick!

popeln

Neulich Abend vorm Sandmännchen: Valentina popelt ausgiebig. Nachdem sie damit durch ist, widmet sie sich ihren nicht mehr vorhandenen Fingernägeln und kaut herunter, was noch dran ist. Neben ihr sitzt Victoria und hat den Drehverschluss einer Mineralwasserflasche im Mund. Während ich meine Kinder beobachte, frage ich mich wie viele seltsame Ticks meine Töchter eigentlich noch entwickeln und wie lange ich sie noch aushalten muss: Auf einer Nerv-Skala von 1 bis 10 lag jahrelang Victoria ganz oben. Sie hatte – kaum geboren- damit angefangen beim Stillen an meiner Haut zu ziepen beziehungsweise zu „Knispeln“ wie wir es heute nennen. Zeitweise war mein ganzes Dekolleté entzündet, der Rollkragenpullover wurde mein Dauerbegleiter. Ich war mir sicher es würde eines Tages aufhören, aber nach der Brust kam die Milch-Flasche und sie knispelte weiter und nach der Flasche kam nichts und es hörte nicht auf. Als ich Vic vor ein paar Wochen einmal fragte, warum sie das eigentlich machen würde sagte sie – immerhin schon sehr verschämt – das würde sie beruhigen, aber ich dürfte es NIEMANDEM sagen. Ich sei die Einzige an der sie Knispeln würde, nur meine Haut sei dafür geeignet. Hmm. Selten in meinem Leben habe ich mich über eine Auszeichnung weniger gefreut als über diese.. Neben dem Knispeln hat Victoria noch 2  Ticks, die auch nicht ohne sind. Erstens: Sie geht nur mit Schlafsocken ins Bett; das bedeutet aber für sie morgens, dass sie sich akribisch jeden einzelnen imaginären Woll-Faden zwischen den Zehen herauspult. Ein Traum für jede Mutter, die ihre Kinder pünktlich in die Schule bringen muss. Auch eine sehr schöne Marotte war lange Zeit mitten im Supermarkt oder auf der Strasse zwischen ihren Beinen rumzuziepen, Egal, wie oft ich ihr sagte, dass man das nicht tut…angeblich war immer die Unterhose zu eng. Das ich der 5 jährigen zwischenzeitlich Unterhosen in Grösse 134 angezogen habe, hat NICHTS genutzt. Nun wie auch immer, DIESER Tick ist vorbei.

Valentina marottet sich da schon etwas normaler durch die Gegend: Popeln und Nägelkauen sind ganz hoch im Kurs. Auch das ist TOP SECRET, soll ich KEINEM erzählen. Erstaunlich, dass sie nicht merkt, dass sie überall popelt und knabbert. Wird also etwas schwierig, dass geheim zu halten. In den ersten Jahren war unser Lieblings (Hass) Tick der des „Schleifebindens“. Ihr Teddy, den sie zur Geburt bekommen hatte, hatte eine Schleife, die von Jahr zu Jahr weniger wurde, weil Valentina zur Beruhigung an ihr herumknispelte. Mitten in der Nacht kam sie teilweise zu uns und murmelte „Schleife binden“. Taten wir es nicht konnte sie in hemmungslose Tränenausbrüche verfallen. Auch heute darf Teddy nicht fehlen. Die Schleife wurde durch ein Band des Osterhasen ersetzt.

Liest man im Internet nach, was man gegen all diese Marotten tun kann, lernt man – NICHTS. Das Schlimmste ist das, was ich regelmäßig tat, nämlich schimpfen. Psychologen sagen JEDE Marotte sei Ausdruck von inneren Spannungen, die abgebaut werden müssten. Helfen könne man seinen Kindern nur indem man ihnen eine Alternative anbietet. Neue Strategien zum Popeln?  Ich habe mir erstmal vorgenommen nichts mehr zu sagen. Schliesslich bin ich kein Kind mehr und drehe Tag um Tag an meinen Haaren und das seit über 20 Jahren. Auch mein Mann hat seinen Tick, über den ich jetzt hier lieber nicht schreibe. Aber wer weiss vielleicht helfen UNS ja eines Tages die Kinder und finden eine Strategie, wie wir entspannter werden. Dann muss ich auch nicht mehr an meinen Haaren drehen, das wäre doch was!

 

 

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