Wenn die Oma zu Besuch kommt…

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Es ist zu still, wenn Oma München abgefahren ist. Warum ist es nur immer so still, als ob es stiller gar nicht geht? Und dabei liebe ich Ruhe..

Seit 20 Jahren wohne ich nun in Hamburg und kann meine Mutter nur sporadisch sehen. Das hat – werden einige sagen- viel gutes: Man kann sich nicht so auf die Nerven gehen, man stellt nicht so hohe Ansprüche und vor allem: immer wenn man sich sieht ist es eine Art besonderes Event. Allerdings… es gibt auch nie Alltag!

Seitdem ich Kinder habe wünschte ich mir manchmal meine Mutter würde NICHT 850 km entfernt von uns wohnen. Nicht nur, dass ich einfach gerne mal einen Café mit ihr trinken möchte oder ihr sagen, dass sie JETZT SOFORT auf meine Kinder aufpassen soll (nein, so spricht man mit seiner Schwiegermutter nicht, worüber sie froh sein kann). Jedes Mal brauche ich auch minimum 24 bis 36 Stunden, um mich daran zu gewöhnen, dass sie da ist, wer sie ist, was SIE braucht. In so einem kunterbunten Familienleben, in dem jeder Tag in 100 einzelne Sequenzen getaktet ist, ist das gar nicht so einfach. Spätestens an Tag 3 allerdings könnte sie dann auch 4 Wochen hierbleiben und schon geht der Besuch wieder dem Ende zu. Die Kinder fangen gerade an sich zu benehmen. Auf einmal lieben sie es wenn Oma sie ins Bett bringt und ich sehe wie auch meine Mutter sich peu a peu entspannt, weil sie sich auf unser Leben eingelassen hat, von dem sie sonst ja nur wenig mitkriegt. Diese Woche beispielsweise hat sie die einmalige Chance bekommen unsere Babykatze zu beobachten wie sie in jede verfügbare Ecke einen Haufen gemacht hat, wie der grosse Kater mindestens 3 mal am Tag den Kleinen vertrimmt hat. Wie ich Sklave meines I-Phone APP-Schrittzählers wurde („komm lass uns nochmal rausgehen, ich bin heute erst bei 5000 Schritten“). Sie hat kapiert, dass schon ein Abendessen beim Chinesen um 19 Uhr mit 2 Kindergarten bzw. Schulkindern zum erschöpften Desaster werden kann und man danach im Auto Tränen lacht über schlimme, simple Pipi-Kaka Witze, die aber die Kinder zumindest davon ablenken, dass sie sich eben noch gegenseitig töten wollten. Wir haben einen Besuch ins Schokomuseum geplant und abgebrochen, weil wir Angst vor einer 90-minütigen Führung hatten. Stattdessen haben wir uns eine riesige Eisbombe gegönnt und gemeinsam versucht über den ersten, schlimmen Schock des Flugzeugabsturzes hinwegzukommen. Sie weiss jetzt wie mühsam es ist Victorias Allergie in den Griff zu bekommen und versteht warum wir jeden Morgen zu spät zur Schule kommen. Insgesamt also wieder Mal ein voller Erfolg im sich besser kennenlernen. Denn DAS funktioniert am Telefon nicht.

Valentina, Victoria und ich haben für heute beschlossen ein bisschen traurig zu sein, dass Oma nicht mehr hier ist. Morgen hören wir wieder damit auf, aber nur bis zum nächsten Besuch. Und wer weiss vielleicht zieht sie ja doch noch eines Tages nach Hamburg oder wir nach München. Dann können wir uns richtig auf die Nerven gehen – ich freu mich drauf!

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