Warum schämen, wenn man am Ende glückliche Mama ist?

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Morgen für morgen schlage ich die Zeitung auf und lächele, wenn ich  all diese makellosen 47 jährigen Mütter sehe, die angeblich nur anhand ihres irrsinnig intensiven Liebeslebens nochmal Mutter geworden sind: meistens von Zwillingen.
Heute wo jeder jeden Pups postet, wo alle selbst auf der Toilette twittern und Trennungen zuerst übers Netz gehen, gibt es nur ein Tabu: die künstliche Befruchtung. Woran liegt das eigentlich? Was ist so schlimm daran, sich dabei helfen zu lassen, eine Familie zu gründen? Auch ich habe jahrelang auf ein Kind gewartet und ganz ohne Hilfe hat es auch bei uns nicht geklappt. Aber ist das heute noch wichtig? Wir haben 2 Kinder (Nummer 2 kam ratzfatz hinterher), die gesund sind und wir haben das, was wir uns immer gewünscht haben: Eine kleine, intakte Familie.

Mutig und klug finde ich daher das Buch, das meine Fernseh-Kollegin Franziska Rubin geschrieben hat. Sie gibt offen zu: ohne künstliche Befruchtung hätte es bei ihr mit dem Familienwunsch nie geklappt. 5 Jahre brauchte sie bis ihre Zwillinge zur Welt kamen und dann passierte das nächste Wunder. Ihre kleine Tochter kam 18 Monate später einfach so auf die Welt…

Ich habe mit Franziska gesprochen – über das Tabu IVF und ihre Gefühle, aber auch über ihren Wunsch dieses Tabu endgültig aufzubrechen.

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Mami Talk:
Das ist ja bislang noch ein ziemliches Tabuthema, das Du mit deinem Buch angefasst hast. Wie kamst Du auf die Idee, darüber zu schreiben?

Franziska Rubin:
Es war so, wie es häufig ist. Erst als ich selbst betroffen war, habe ich gespürt, dass es heutzutage tatsächlich schwer ist, über Kinderwunschtherapien offen zu reden. Es gibt eine bedrückende Sprachlosigkeit, die mir die eh schon schwere Zeit noch schwieriger gemacht hat.

Mami Talk:
In meinem Bekanntenkreis sind fast 70 % aller Kinder in solchen Kinderwunschkliniken gezeugt worden, trotzdem möchte niemand darüber sprechen. Was meinst du könnte sich durch dein Buch ändern?

Franziska Rubin:
Als Frau neigen wir vermutlich dazu, uns zu schämen, wenn uns das Natürlichste auf der Welt nicht gelingen will. Oder wir zweifeln, ob wir vielleicht doch zu sehr an uns oder unsere Karriere gedacht haben und sozusagen selber schuld sind an der Misere. Auch ich hatte diese Gedanken und schlechten Gefühle. Dabei war ich vor allem in eine gesellschaftliche Falle getappt. Heutzutage sind Kinder eine massive Karrierebremse, es mangelt an ausreichender und guter Kinderbetreuung und das Verständnis der Arbeitgeber für dann notwendige Flexibilität fehlt, so dass es kein Zufall ist, wenn sich jede zweite Akademikerin ganz gegen Kinder entscheidet. Wenn dieser Sachverhalt klar wird, dann finden wir hoffentlich mehr Verständnis in der Öffentlichkeit und Unterstützung. Damit diese Therapien enttabuisiert und bezahlt werden wie jede Hüftprothese.

Geschrieben habe ich das Buch aber auch, damit Frauen, die sich gerade in der Kinderwunschzeit befinden:

1. Erfahren, dass sie mit ihrem Kummer nicht alleine sind, ich habe meine Geschichte sehr offen beschrieben,
2. Dass sie sich informieren können, was auf sie zukommt aber auch welche alternativen Therapien es gibt
3. Ich will Mut machen, denn bei mir schien es quasi ausweglos und heute sind wir eine Großfamilie.

Mami Talk:
Eine Fruchtbarkeitsbehandlung ist ja alles andere als ein Zuckerschlecken, dazu auch noch ziemlich teuer…
Wie hat diese Zeit des Hoffens und Wartens eure Beziehung verändert?

Franziska Rubin:

Ich hatte Glück, denn mein Mann Pete erwies sich als nervenstark und hat mich völlig unterstützt, mit mir gelitten. Ich denke, das hat uns gestärkt. Die noch größere Herausforderung war dann eigentlich die Kinderflut, die wir erlebt haben. Da gab es Jahre, in denen wir als Paar kaum noch existiert haben.

Mami Talk:
Wie war deine Reaktion damals, als Du erfahren hast, dass du Zwillinge bekommst?

Franziska Rubin:
Zwillinge habe ich mir immer schon gewünscht, außerdem war damit klar, dass es damit wider Erwarten nicht nur bei einem Kind bleiben würde. Also haben wir uns sehr gefreut. Allerdings war die schwierige Schwangerschaft und frühe Geburt eine harte Herausforderung für uns.

Mami Talk:
Ich habe selber jahrelang auf das erste Kind gewartet und dann kam mit unerwarteter Schnelligkeit und ohne irgendwelche Hilfsmittel unsere 2. Tochter hinterher – genauso wie bei dir, woran meinst Du
liegt das?

Franziska Rubin:
Es scheint so etwas wie einen hormonellen Reset nach einer erfolgreichen Schwangerschaft zu geben und das trifft mehr Eltern als gedacht. Laut einer australischen Studie werden nach erfolgreicher IVF 30 Prozent der Frauen noch mal einfach so schwanger!

Mami Talk:
Heute hast Du 3 Kinder, einen Hund und einen Job, wie lässt sich das alles unter einen Hut bringen?

Franziska Rubin:
Manchmal nur irgendwie, ehrlich gesagt. Es braucht viel Organisation und verlässliche Hilfe.

Mami Talk:
Wirst Du deinen Kindern eines Tages erzählen, wie sie entstanden sind?

Franziska Rubin:
Na klar, und ich bin mir sicher, bis dahin gehört künstliche Befruchtung schon zur Normalität.

Mami Talk:
Habt ihr die Familienplanung denn nun abgeschlossen oder soll noch eines hinterherkommen?

Franziska Rubin:
Nein, 3 Kinder sind schon ganz schön viel und mit bald 46 glaub ich eh nicht mehr daran, dass da noch was gehen würde. Aber man soll ja nie nie sagen.

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