Reunion des parents – mir rauscht der Kopf

mir rauscht der Kopf

mir rauscht der Kopf

 

Eigentlich habe ich ja alle Eigenschaften, um einen Elternabend gut zu überstehen. Ich bringe mein eigenes Wasser mit, trage bequeme Schuhe und ebenso komfortable Hosen und ich freue mich der Dinge, die da kommen. Bei den Franzosen – das muss ja mal lobend erwähnt werden – hat man nur EINEN Elternabend im Jahr, anders als in den deutschen Schulen, wo sich die Eltern alle 6 Wochen in die Schule quälen und es teilweise schon zu Streitereien zwischen den Eltern kommt, wer denn nun wieder hin muss.
Gestern Abend war es mal wieder soweit. Wie an allen Schulen zwängten sich kichernde Mütter und Väter unter zu enge Bänke und spionierten unter den Pulten der Kinder nach Dingen, die ihnen im Alltag entgangen sein konnten. Klar, dass ich bei meiner perfektionistischen Tochter rein gar nichts fand. Ich harrte also so der Dinge da legte Valentinas neue Lehrerin los.
Ruhig und bestimmt aber inhaltlich scharf und schnell wie ein Maschinengewehr (Pardon für diesen militaristischen Vergleich) schoss sie Infos unter uns Eltern. Gelbe Mappe, blaue Mappe, orange Mappe. Rotes Heft, grünes Heft, blaues Heft. Mathebuch, Deutschbuch, Schreibschriftbuch. Jeden Freitag eine Unterschrift ins rote Heft und nicht vergessen Montags das Bibliotheksbuch mitbringen. Das kleine Kästchen für die Bildchen bei gutem Verhalten, ach und natürlich können einem die Bildchen auch wieder weggenommen werden (wenn das Verhalten nicht stimmt, hoffentlich passiert das NIE!). Während ich zwischen rot, grün, blauen Heften gegen meine eingeschlafenen Füsse kämpfte, betrat die stets beschwingte, fast schon über-euphorische Direktorin das Zimmer und auch die schoss weitere Infos in unsere Richtung („scheuen sie sich nicht mich aufzusuchen wenn sie Fragen zur Erziehung oder zur Gesundheit ihres Kindes haben“). Mich wunderte wie ruhig die Elternschaft das alles hinnahm. Gingen sie im Geiste durch, wie ihr Bürotag morgen aussah oder verstanden sie das möglicherweise ALLES oder eventuell rein gar NICHTS? Valentinas Lehrerin, die übrigens eine äusserst symphatische Mutter von 3 Söhnen ist, fragte zumindest zwischendurch immer wieder, ob einer von uns eine Frage hätte, aber jetzt mal Hand aufs Herz: Wer würde in diesem Moment schon was sagen…???
Weil ich den Kreislauf von 100 Infos pro Minute und erstarrten deutsch-französischen Eltern irgendwann mal unterbrechen wollte, fragte ich in französisch wann die Kinder denn lernen würde wie die Uhr ginge. Grundsätzlich keine blöde Frage, wie ich fand, aber dummerweise hatte ich offenbar gefragt wieviel Uhr es sei und die eben noch nett lächelnde Lehrerin guckte mich kritisch fragend an, ob ich denn schon wegmüsse.

Das war dann an diesem Abend auch meine letzte Frage gewesen.

Irgendwann, nach weiteren Infos zu Kindertheater, Miro Ausstellungen, Schwimm Ausflügen und Gedichte Auswendig-lern-ordnern schlich ich mich müde und total erschöpft davon, um meinen Mann anzurufen. Er würde mich sicher verstehen und meinen Kopf kühlen – dachte ich. Doch wir sind eben ein deutsch französisches Ehepaar und so lautete des Gatten Antwort auf meine Erzählungen zu all den Ordnern, Schnellheftern und sonstigen Infos auch nur : “ Schatz, so ist das eben in Frankreich. So war es damals bei mir und so ist es heute. Ist doch super, oder?????“

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