Oh Gott, mein Kind wird gross und geht auf Klassenfahrt!

School-Bus-Clipart

Ich bin müde. Seit 4 Uhr 30 liege ich wach, weil mein Kind erstmals mit der Vorschulklasse weggefahren ist. Zwar ist es nur eine Stunde von uns weg an der Ostsee und auch nur für zwei Nächte, aber der Weg ist weit und was ist wenn im Bus etwas passiert oder sie verloren geht oder ihr das Essen nicht schmeckt? Während Valentina längst im Coole -Socken-Wettbewerb mitmachen könnte, würde ich dabei keine löchrige Strumpfhose gewinnen. Ich leide seit Tagen präventiv an Mütter-Panik und Vor-Heimweh. Probleme, die meine Tochter offenbar so gar nicht interessieren. Um 7 Uhr 50 standen wir bereits mit Koffer und Rucksack an der verabredeten Bushaltestelle. Abfahrt sollte zwar erst um 8 Uhr 30 sein, aber Valentina konnte es nicht mehr erwarten. Der Abschied war ein kurzes Winken und weg war sie – meine große Tochter. Während ich gemeinsam mit meinem Mann traurig und einsam zum Auto trottete, fragte ich mich, WANN diese Entwicklung vom Kleinkind zum Großkind eingetreten ist? Losgegangen war es schon vor ein paar Monaten. Erst kam sie nachts nicht mehr in unser Bett, weil das „uncool“ sei. Dann fing sie an sich morgens alleine Frühstück zu machen, während wir alle noch schliefen. Und schließlich wollte sie alleine mit dem Fahrrad in die Schule fahren. Unser fauler Kompromiss bestand am Ende darin, dass ich mit zehn Meter Abstand hinter ihr herfahren durfte (während Victoria permanent hysterisch schrie: Valentina warte doch auf uns, bitte warte!!!!) Samstags will sie seit neuestem alleine zu ihrer Nachbarsfreundin (selbe Strasse) gehen und ich muss mich jedes Mal zusammenreißen, um nicht doch heimlich hinter ihr herzuschleichen, damit ich kontrollieren kann, ob sie 20 Meter weiter gut angekommen ist. War meine Mutter auch so ängstlich? Ich glaube nicht. Aber andererseits kann ich mich auch nicht erinnern schon mit gerade 6 so einen ausgeprägten Wunsch nach Selbständigkeit gehabt zu haben.

Eine Mutter und Psychologin gab mir neulich den Tip, mich wie ein Fahrlehrer zu verhalten. Der fahre schließlich auch nicht selber, sondern begleite seine Schüler und greife nur im Notfall ein. Denn, wie sie sagte…. Selbständigkeit schafft Selbstvertrauen. Diesen Satz meißele ich mir nun in mein Angstgesteuertes Mami-Hirn ein. So richtig geholfen hat es bislang noch nicht und auch wenn ich stolz bin auf meine tolle, große Tochter, so werde ich die Angst nicht los, dass doch etwas passieren könnte und ich nicht zur Stelle war.

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